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Kardiovaskuläres Risiko von Avandia und Avandamet

BERN - In der Schweiz wurde Avandia 1999 zugelassen, die fixe Kombination Avandamet 2005. Seit längerer Zeit existieren Hinweise auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko (z.B. für Herzinfarkte) für die Behandlung mit dem Wirkstoff Rosiglitazon. Im Jahr 2008 wurden daher umfangreiche Anpassungen der Arzneimittelinformation vorgenommen, insbesondere deutliche Einschränkungen der Anwendung, eine neue Kontraindikation „akutes Koronarsyndrom" sowie neue Warnhinweise.

Diabetologen, Endokrinologen, Kardiologen, andere Internisten und Allgemeinärzte wurden mit einem Informationsschreiben der Zulassungsinhaberin im Oktober 2008 auf diese Änderungen aufmerksam gemacht. Seither war und ist dieses Thema wiederholt Gegenstand kontroverser Diskussion in Fach- und Laienmedien. Der einzige andere Wirkstoff dieser Klasse, Pioglitazon, zeigte bisher keine erhöhten Raten für kardiovaskuläre Ereignisse wie z.B. Herzinfarkte, bei allerdings weniger umfangreicher Datenlage. Ein Klasseneffekt kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Unter anderem zur Klärung der Frage, ob ein Klasseneffekt vorliegt, wurde in den USA eine direkte Vergleichsstudie der beiden Wirkstoffe mit der Bezeichnung TIDE begonnen.



Swissmedic hat dieses Problem laufend verfolgt und aktuell von der Zulassungsinhaberin im Rahmen eines Überprüfungsverfahrens eine Stellungnahme angefordert. Auslöser waren zwei neue Publikationen vom 28. Juni 2010 (Graham et al im Journal of the American Medical Association, retrospektive Kohortenstudie; Nissen et al im Archives of Internal Medicine, neue Meta-Analyse), die auf vermehrte kardiovaskuläre Komplikationen unter  Rosiglitazon hindeuten, deren Gewicht aber wegen der Methodik nicht einfach einzuschätzen ist. Die im März 2010 bei Swissmedic erfolgte Evaluation des Abschlussberichtes der offenen Langzeitstudie RECORD liess ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko gegenüber Metformin bzw. Sulfonylharnstoffen nicht bestätigen. Andererseits konnten diese Daten ein solches erhöhtes Risiko aus methodischen Gründen, insbesondere wegen des offenen Designs und der Auswahl der untersuchten Population, auch nicht ausschliessen.

In den USA, wo Rosiglitazon verbreitet eingesetzt wird, führte die FDA am 13./14. Juli 2010 ein öffentliches Hearing durch, bei welchem ein beratendes Expertengremium mehrheitlich für starke Einschränkungen der Anwendung bzw. Abgabe und für einen Stopp der Aufnahme neuer Patienten in die laufende direkte Vergleichsstudie mit Pioglitazon stimmte. Für einen vollständigen Marktrückzug votierte nur eine Minderheit. Dieses Votum ist für die FDA nicht bindend und der Entscheid steht aus. Auch bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA läuft ein Verfahren. Die EMA hat die Konklusion für September 2010 in Aussicht gestellt. (EMA Press Release vom 22. Juli 2010).

Nach Analyse der Datenlage und der Firmenstellungnahme wird Swissmedic über die erforderlichen Massnahmen entscheiden. Dabei werden auch die Beurteilungen und Entscheide der EMA und FDA berücksichtigt werden. Aus dem Schweizer Nebenwirkungs-Meldesystem liegt aktuell kein entsprechendes Sicherheitssignal vor. Swissmedic wird die Fachleute und die Öffentlichkeit weiter auf dem Laufenden halten.



Die Fachleute sind aufgerufen, Meldungen über unerwünschte Wirkungen auf dem Meldeformular an das regionale Pharmacovigilance-Zentrum zu richten. Das Meldeformular ist auf der Homepage von Swissmedic (> Direkt zu > Meldung unerwünschter Wirkungen) und im Anhang des Arzneimittelkompendiums verfügbar oder kann bei Swissmedic bestellt werden (Tel. 031 322 02 23).

Wichtiger Hinweis für Patienten
Medikamente mit dem Wirkstoff Rosiglitazon, ebenso wie grundsätzlich alle Diabetes-Medikamente, nicht eigenmächtig absetzen oder die Dosis ändern! Dies kann zu einer gefährlichen Entgleisung der Zuckerkrankheit führen. Jede Änderung der Behandlung sollte mit der Ärztin / dem Arzt besprochen werden.



Quelle: Schweizerisches Heilmittelinsitut (Swissmedic)

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Letzte Aktualisierung 03.02.2012