Schweizer Medikamentenpflichtlager werden 75 Jahre alt
BERN - Die Schweiz hat zum Schutz vor weltweiten Lieferengpässen ein komplexes System für lebenswichtige Güter aufgebaut. Die Genossenschaft Helvecura organisiert im Auftrag des Bundes die Lagerung von Medikamenten. Nun wird sie 75-jährig.
Sogenannte Pflichtlager stellen sicher, dass die Bevölkerung auch in internationalen Krisenzeiten versorgt wird. Für Arzneimittel ist seit 1951 Helvecura zuständig. Was mit der Pflichtlagerung von Antibiotika begann, umfasst heute 1600 Artikel und 200 Wirkstoffe in rund 70 Lagern.
Die Krisenvorsorge basiert in der Schweiz auf einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen dem Staat und der Privatwirtschaft, wie Helvecura am Mittwoch mitteilte.

Die Güter liegen dabei nicht in Bunkern, sondern sind dezentral in die reguläre Logistik von 70 Unternehmen - vom Grosskonzern bis zum Familienunternehmen - eingebunden. Durch den laufenden Warenumschlag verfallen die Produkte nicht, sondern bleiben stets verwendbar. Die Vorräte reichen im Falle eines kompletten Lieferunterbruchs je nach Medikament für zwei bis vier Monate aus.
Andere Finanzierung der Lagerung gefordert
Im vergangenen Jahr wurde der Markt mit 127 Pflichtlagerfreigaben gestützt. Die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten ist gemäss Helvecura keine Selbstverständlichkeit mehr. Internationale Konflikte, konzentrierte Produktionsstandorte und instabile Lieferketten erhöhen das Risiko von Versorgungsengpässen. Besonders ausgeprägt ist die Abhängigkeit Europas von chinesischen und indischen Wirkstoffproduzenten.
Helvecura und die Pharmaindustrie sehen deshalb Handlungsbedarf. Sie wünschen sich attraktivere Investitionsbedingungen, damit in Europa und der Schweiz mehr Wirkstoffe produziert werden. Weiter fordern sie eine neue Finanzierungsregelung, da die Firmen die Lagerkosten wegen der staatlich regulierten Medikamentenpreise derzeit komplett selbst tragen müssen.
28.10.2026. Keystone-SDA. Bild: Pixabay