Minneapolis (Minnesota/USA)


Skyline von Minneapolis

Universität von Minnesota
Das Gebäude, in dem das Pharmazeutische Institut, das College of Pharmacy, in Minneapolis untergebracht ist, liegt im Universitätscampus, einem riesengrossen Gelände in Minneapolis, mit dem Bus etwa 5 Minuten von Downtown entfernt. Das College ist in einem mehrstöckigen Gebäude untergebracht, das ausserdem die Nursing School und weitere Einrichtungen für die medizinische Ausbildung beherbergt. Die Einbindung der Pharmazie in den grossen Universitätscampus ermöglicht allein schon durch die Nähe ein gutes interdisziplinäres Arbeiten, beispielsweise mit der Universitätsklinik und anderen medizinischen Einrichtungen.
Das Motto der Ausbildung und des Berufsbildes werden stark auf den Patienten ausgerichtet und darauf, was der Apotheker für den Patienten tun kann. Die Philosophie ist: Das, was der Apotheker tut, muss in erster Linie dem Patienten nützen. Das Curriculum am College of Pharmacy trägt der neuen Ausrichtung Rechnung durch mehr patientenorientierte Inhalte. Im Mittelpunkt steht dabei Pharmaceutical Care, die Pharmazeutische Betreuung, insbesondere Medication Therapy Management (MTM) als Teil der Pharmazeutischen Betreuung. Die Ärzte haben sich mittlerweile mit diesem Aufgabengebiet der Apotheker angefreundet und arbeiten bereits mit Apothekern zusammen.

Universität von Minnesota
Die Universität von Minnesota (U of M) wurde 1851 gegründet. Sie hat insgesamt 5 Campuses: Twin Cities, Duluth, Morris, Crookston and Rochester, ausserdem weitere Büros und Forschungseinrichtungen in anderen Städten von Minnesota. Das College of Pharmacy der U of M bietet die Ausbildung zum Apotheker nicht nur in Minneapolis (auch Twin Cities genannt, da die Stadt mittlerweile mit der benachbarten Hauptstadt von Minnesota, St. Paul, zusammengewachsen ist), sondern auch in Duluth, das etwa 250km nördlich von den Twin Cities am Lake Superior liegt. Dort ist das College of Pharmacy im Gebäude der School of Medicine untergebracht (Life Science Building auf dem Campus der University of Minnesota Duluth). Die beiden Colleges in Minnesota und Duluth sind online miteinander verbunden, Videokonferenzen und Gesprächsrunden zwischen Studenten und Hochschullehrern stehen täglich an.

Internetseite der Universität: University of Minnesota

Die Universität von Minnesota in Minneapolis erreichte in diesem Jahr unter allen Universitäten der Vereinigten Staaten von Amerika den dritten Platz. Bedeutung hat dieses Rating auch dafür, wie beliebt eine Universität bei den Studenten ist, wie hoch die Bewerbungen für diese Uni sind und letztlich für die Einnahmen der Uni.

Bewertung durch Studierende
Anders als an vielen Orten in Europa werden Professoren von Studenten bewertet. Solche Bewertungen spielen durchaus eine Rolle bei der Gesamtbewertung eines Hochschullehrers, was wiederum Auswirkungen auf sein Gehalt haben kann. Überhaupt haben Studenten einen anderen Status an den amerikanischen Universitäten. Da Studenten Studiengebühren von rund sFr. 30'000.- pro Jahr bezahlen müssen, bemühen sich Universitäten um Studenten. Sie wetteifern darum, was und wie gelehrt wird, um Studenten zu gewinnen. Wer das Schulgeld nicht bezahlen kann, erhält ein Darlehen, das er später zurückzahlen muss. Die Studiengebühren können sich allerdings durch Stipendien vermindern, wenn die Leistungen stimmen.

Pharmaceutical Care
Wie ernst das neue Aufgabenfeld von Pharmaceutical Care und MTM genommen wird, lässt sich daran ablesen, dass innerhalb des College of Pharmacy an der U of M bereits im Jahr 1993 ein eigenes Institut, das „Peters Institute of Pharmaceutical Care“, gegründet wurde, das sich um Forschungs- und Entwicklungsprogramme auf diesem Gebiet kümmert. Zweck dieses Instituts ist, die Umsetzung von Pharmaceutical Care in die Praxis zu fördern. Entwickelt wurden hier beispielsweise ein elektronisches Dokumentationssystem, ein Erstattungssystem und Trainingsprogramme.

 

Die Ausbildung zum Apotheker in den USA

Die Ausbildung zum Apotheker unterscheidet sich wesentlich von der in Europa. Wer in den Staaten Apotheker werden will, muss sich auf eine insgesamt sechs- bis achtjährige Studienzeit einstellen, an deren Ende er den Doctor of Pharmacy (Pharm D) erwirbt (nicht zu verwechseln mit dem PhD, der bei uns als Dr. pharm. bekannt ist).

Die Ausbildung beginnt mit dem Absolvieren eines kompletten vorpharmazeutischen Kurses, der vier Semester dauert. Dieser Kurs findet in der Regel nicht an den Pharmacy Schools statt, sondern im Rahmen der „undergraduate studies“ nach dem High-School-Abschluss, in der Regel an einem College. Der Abschluss eines vollständigen Bachelors (vier Jahre College) als Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums wurde 2000 abgeschafft. Dennoch empfehlen einige Universitäten diesen Abschluss und legen es den Studenten nahe. Tatsächlich hat die Mehrheit der Pharmaziestudenten in den USA vor Beginn des Studiums bereits einen Bachelor-Abschluss (z.B. in einer naturwissenschaftlichen Disziplin), Tendenz weiter steigend. Mit dem Abschluss des Bachelors erwirbt man den ersten akademischen Grad, mit dem man in das Berufsleben einsteigen kann oder sich für eine weiterführende akademische Ausbildung qualifiziert. Innerhalb der Universität kann das eine „professional school“ sein (Pharmacy School, Medical School, Law School) oder die „graduate school“, an der man einen „Master’s degree“ oder „PhD degree“ (Dr. phil., Dr. sc. nat., Dr. pharm.) erwerben kann.

 


Die Ausbildung zum Apotheker - Zusammenfassung

- Zwei bis vier Jahre Vorstudium, ggf. ein Bachelor an einem College oder einer Universität.

- Vier Jahre Studium an einem College of Pharmacy mit internen und externen Praktika, Abschluss mit dem PharmD.

Um als Apotheker arbeiten zu können, benötigt man eine Lizenz. Man erhält diese Lizenz, wenn man das PharmD-Programm erfolgreich beendet hat und die „North American Pharmacist Licensure Examination (NAPLEX) bestanden hat. Die Lizenz wird auschliesslich für den Staat erteilt, in dem sie erworben wird. Wer als Apotheker in einem anderen Bundesstaat der USA arbeiten möchte, benötigt folglich eine neue Lizenz.


Im vorpharmazeutischen Kurs werden die Studenten an die Naturwissenschaften herangeführt und erhalten Einblick und Unterricht in verschiedene Fächer: Mathematik, Statistik, anorganische und organische Chemie mit Labortätigkeit, Physik, Biologie, Biochemie, Kommunikation, Psychologie oder Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Geisteswissenschaften. Dieser Kurs muss nicht zwangsläufig an der Uni absolviert werden, an der er später Pharmazie studieren möchte. Ist dieser Kurs beendet, sucht sich der Student eine Universität aus, die ein College of Pharmacy bietet, an dem er Pharmacy studieren möchte. Er muss in der Regel einen Zugangstest (pharmacy college admission test) machen und er wird von der Hochschule zu einem Gespräch eingeladen. Ist dies alles bestanden, kann das vierjährige Pharmaziestudium beginnen, welches sehr patientenorientiert ausgerichtet ist.

 

Die Ausbildung beinhaltet neben den klassischen Fächern Unterrichtseinheiten zur pharmazeutischen Betreuung: Pharmakotherapie, Therapiemanagement, Ernährungslehre. Der Student soll lernen, arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen, zu lösen und zu verhindern, damit für den Patienten eine optimale Arzneitherapie erreicht wird, die die Lebensqualität des Patienten verbessert, heisst es dort.

 

Ein Post-PharmD-Fellowhip-Programm wendet sich an diejenigen, die sich eher in Richtung Forschung spezialisieren wollen. Wer an einem Fellowship-Programm teilnimmt, verbringt mehr als 75 Prozent seiner Zeit mit Forschungsaktivitäten. Einen PhD (Dr. phil., Dr. sc. nat.) zu erwerben, erfordert in der Regel weitere vier Jahre Forschung und Ausbildung an der „graduate school“ einer amerikanischen Universität. Einige Universitäten bieten aber auch kombinierte und daher zeitlich etwas verkürzte PharmD/PhD-Programme an.

 

Medication Therapy Management (MTM)

Im Rahmen der Ausbildung hat MTM in Minnesota heute einen festen Platz und wird bereits in die Praxis umgesetzt. Unter MTM versteht man die intensive Mitwirkung des Pharmazeuten an der Arzneitherapie, um sie für Patienten zu verbessern und zu optimieren. Das heisst, der Apotheker bespricht zusammen mit dem Patienten die vom Arzt verordnete Therapie, checkt Neben- und Wechselwirkungen, gibt Hinweise zur Einnahme, zur Complianceverbesserung. Wichtig: Als Basis des Gesprächs erhält der Apotheker Einsicht in alle vom Arzte erhobenen klinischen Parameter des Patienten; ausserdem werden auch alle bisher eingenommenen Arzneimittel, inkl. OTC und Nahrungsergänzungsmittel abgefragt und seine Reaktionen darauf. Er erstellt eine Art Arzneimittelanamnese. Sie dienst dazu mögliche neue Arzneimittelkomplikationen zu vermindern oder gar zu vermeiden. Pharmakotherapie wird optimiert zum Nutzen des Patienten, aber auch zur Kostenerparnis.

Kontaktpersonen in Minneapolis

Peter Haeg
Director of Student Services
5-110C Weaver-Densford Hall
Phone Number: 612-624-2649 
E-Mail  haegx002 (at) umn.edu

Charles Taylor, Pharm D
Senior Associate Dean for Professional Education
Professor
Department of Pharmaceutical Care and Health Care
Phone Number: 612-626-5376
E-Mail  taylorc (at) umn.edu

Henning Schroeder, PhD
Professor
Department of Pharmaceutics
University of Minnesota
7-101 Weaver-Densford Hall
308 Harvard Street S.E.
Tel. +1 612 625 5695
Fax 1 612 624 6695

E-Mail  schro601 (at) umn.edu


Dieser Text durfte freundlicherweise aus der Deutschen Apothekerzeitung übernommen werden. Die Pharmapro GmbH dankt der DAZ für die Zusammenarbeit. Ein Dank geht insbesondere an Apotheker Peter W. Ditzel, Chefredakteur der DAZ, der einige Fotos von seiner Reise nach Minneapolis zur Verfügung gestellt hat.

 

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