Covid-19 in der Apotheke - die Sicht einer Apothekerin auf Impfungen und Tests


Dass es sich bei Covid nicht nur um eine weitere Grippe handelt ist inzwischen angekommen. Die Erkrankung hat schwerwiegende Folgen: nicht nur die wenigen Prozent schwer-erkrankten, die ins Spital, eventuell intubiert werden müssen oder sterben, auch die leichterkrankten belasten noch lange das Gesundheits- und Sozialsystem mit Folgen wie einer monatelang erhöhten Sterblichkeit und Long-Covid. Mit den geltenden Massnahmen wird nicht erreicht, das so erfolgreich einzudämmen wie in China oder auch Australien oder Neuseeland. Momentan sieht es so aus, dass Impfungen der Weg aus der Pandemie sind - oder sie zumindest soweit zu bremsen, dass ein Leben mit dem neuen Virus möglich wird. Dafür müssen möglichst viele und möglichst bald geimpft sein. Die Schweiz ist dran an dem Rennen - am 19. Dezember 2020 hat sie als erste einen Covid-Impfstoff nicht im Notfallverfahren zugelassen (Comirnaty von Pfizer/BioNTech), am 12. Januar 2021 den zweiten (Covid-19 Vaccine Moderna von Moderna). In anderen Ländern sind schon andere Impfstoffe im Gebrauch: von AstraZeneca, Johnson&Johnson (in D), Sputnik in Russland, Sinopharm und Sinovac (CoronaVac) in China Covaxin in Indien. Mehr sind in Entwicklung, respektive im Zulassungsverfahren: CureVac, Novavax... Als neue Impfstoffe mit teils neuen Technologien, befinden sie sich weltweit unter strenger Beobachtung - aber die Ergebnisse sind ermutigend. Bei den offiziell zugelassenen ist die Wirksamkeit hoch - auch wenn sie nicht vollständig vor Neuerkrankungen schützen, schützen sie doch vor schweren Verläufen und zu fast 100% vor Todesfällen durch Covid. Ausserdem scheinen sie bei Long-Covid Patienten zu einer Verminderung der Beschwerden zu führen.

Da die verfügbare Menge Impfstoff sehr beschränkt ist, hat man bei den am meisten durch Covid gefährdeten Personen angefangen zu impfen: den Alten und denen mit bestehenden Risikofaktoren (Bluthochdruck, Übergewicht ...), dann die Personen, die mit denen viel Kontakt haben (Pflegepersonal und Angehörige) - da sind wir jetzt.

Weil es so wichtig ist, dass rasch und viel geimpft wird, wurden schon früh alle Ressourcen mobilisiert - und dazu gehören in der Schweiz auch die Apotheken. Seit 2016 darf in Apotheken nach Ausbildung geimpft werden. In der Schweiz gibt es 1000 Apotheken mit total 2500 für das Impfen ausgebildeten und zum Impfen berechtigten Apothekerinnen und Apothekern. Mit der Anpassung in der Epidemienverordnung vom 27. Januar 21 hat der Bundesrat die Apotheken offiziell in die Impfstrategie eingebunden. Das spiegelt sich auch in der Patienteninformation des Impfstoffes (hier Moderna): "Ihr Arzt, Apotheker oder das medizinische Fachpersonal injiziert den Impfstoff in einen Muskel in Ihren Oberarm...". Das freut mich natürlich, obwohl: so ein "Novum" ist es nicht - In Ländern wie Grossbritannien, USA und Frankreich impfen Apotheker schon gegen Covid.

Die Covid-Impfung ist aber nicht nur wegen der Verfügbarkeit eine Herausforderung für die Apotheke. Die aktuell vorhandenen Impfstoffe unterscheiden sich von anderen Impfungen: sie kommen nicht in Fertigspritzen, die Impfung muss erst aus Mehrfachvials zubereitet werden. Diese Vials sind ausserdem tiefgekühlt zu transportieren, empfindlich auf Erschütterungen und (bei Moderna) dann maximal 30 Tage bei normalen Kühlschranktemperaturen (von 2 bis 8 Grad) zu lagern. Ungeöffnet bleibt der Impfstoff bei Raumtemperatur für 12 Stunden und angebraucht für 6 Stunden verwendbar. Nach Anstich so einer Mehrfachampulle müssen also in dem Zeitfenster von 6 Stunden 10 Personen geimpft werden können: an Personen, die nach Impfplan in der aktuellen Zielgruppe sind. Hoffentlich wird das mit der Zulassung von weiteren Impfstoffen mit nicht so komplizierten Versand- und Lagerbedingungen einfacher. AstraZeneka oder Johnson&Johnson zum Beispiel, die dürfen aber in den Ländern, in denen sie schon zugelassen sind aktuell wegen dem Risiko von Thrombosen (vielleicht ungerechtfertigt) nicht mehr an alle Altersklassen verabreicht werden.

Jedenfalls bedeutet so eine Impfung viel Organisation und viel Dokumentation. Über die Vergütung gab es deshalb Diskussionen: Kantone und Versicherer haben sich einseitig auf eine Pauschale von CHF 14.50 pro Impfung geeinigt. Nach Protesten der Ärzteschaft, dass diese Pauschale weder Infrastruktur- noch Konsultationskosten abdeckt, wurde das für sie im Februar auf CHF 24.50 angepasst. Erst Ende März kam es dann nach Intervention des Apothekerverbandes zur Gleichstellung. Allerdings kommen die CHF 24.50 nicht von den Krankenkassen, denn: im Bundesgesetz über die Krankenversicherung sind nur die Ärzte erwähnt, somit wird eine Impfung (egal welche) in der Apotheke nicht von den Versicherern übernommen. Es wäre an der Zeit das anzupassen - aber bis dahin bezahlt das BAG die Impfungen in der Apotheke.

Seit die gesetzlichen Grundlagen vom Bund gegeben sind, wurde vorbereitet: Prozesse entwickelt für das Impfen in der Apotheke. Triagefragebogen zur Patientenvorbereitung (muss vor der Impfung vom Patienten unterschrieben werden). Impfdokumentation für den Kunden. Impfkurse, um noch mehr Apotheker an Bord zu holen. Kurse, um die Pharmaassistentinnen in den Impfprozess einzubeziehen. Anschaffung von Verbrauchsmaterial. Die Vorgaben zur Impfung werden von den Kantonen gemacht - dazu gehört auch, wen man wird impfen dürfen. Es sollen die sogenannten "Gesunden" geimpft werden, es kann dazu aber auch Ausnahmen geben. In Zürich und Schwyz impfen Apotheker schon. In Zürich braucht es dafür ein Rezept vom Arzt, in Schwyz macht der Kanton die Zuordnung der Impftermine. Am Schluss gibt es wahrscheinlich wieder 26 Lösungen - für jeden Kanton eine.

Wieviele Apotheken schlussendlich an der Impfkampagne mitmachen ist noch nicht klar. Wie beschrieben handelt es sich um einen ziemlichen Mehraufwand, der kaum kostendeckend abgegolten wird - tatsächlich haben einige der impfenden Arztpraxen in Zürich deshalb schon wieder aufgehört. Aber so wie Jede Impfung zählt, zählt auch jede Apotheke, die sie verabreicht. Ich würde mir wünschen, dass das möglichst viele anbieten können. Für die Zukunft wäre es ausserdem interessant, dass wenn (wie man vermutet) analog der Grippeimpfung regelmässige Impfungen mit angepassten Impfstoffen nötig sind, man die gleichzeitig mit der Grippe- oder anderen Impfungen ebenfalls in der Apotheke verabreichen könnte.

Praktisch sehe ich die Impfungen gegen Covid in der Apotheke als viel besser durchführbar als die Schnelltests, die auch in Apotheken gemacht werden können. Weshalb? Weil im Gegensatz zu den Schnelltests, bei denen in der Schweiz Personen MIT Symptomen (und damit wahrscheinlich mit Covid) getestet werden, die Gefahr einer Ansteckung für Apotheker und für die anderen Patienten der Apotheke viel geringer ist. Bauliche Voraussetzungen wie zum Beispiel ein zweiter Eingang für Testpersonen oder separate Räumlichkeiten ausserhalb sind deshalb nicht nötig. Das hat eine Menge Apotheken, die ansonsten bereit gewesen wären zu testen abgehalten - uns auch. Mit der zusätzlichen persönlichen Schutzausrüstung wäre das sonst (zumindest zu Randzeiten organisiert) machbar gewesen.

Ein paar Worte zu den Tests auf Covid in und aus den Apotheken. Die Erfahrung zeigt, dass die breite Öffentlichkeit etwas Mühe hat die verschiedenen Tests, die angeboten werden auseinanderzuhalten - vor allem, wann was empfohlen ist. Da ist viel Erklärungsbedarf bei Nachfragen nach "einem Covid Test". Die (Covid-19 Antigen-)Schnelltests sind diejenigen, die man bei Symptomen machen kann in der Apotheke selber: nach vorheriger Anmeldung, in einer der anbietenden Apotheken Die Probenentnahme erfolgt durch die Apotheke, das Resultat bekommt man nach 15 Minuten. Die Selbststests kann man in allen Apotheken abholen (gratis, 5 Tests alle 30 Tage pro Person) und macht man, wenn man keine Symptome hat und vor privaten Treffen. Man führt die Tests selbst zu Hause durch und hat nach 15 Minuten ein Resultat. Ein positives Resultat sollte durch einen PCR Test in einem der Testzentren bestätigt werden - bis zum Resultat dauert es mindestens 24 Stunden. Und die Antikörpertests kann man auf eigene Rechnung machen, wenn man keine Symptome hat, aber vermutet, dass man Covid hatte (mindestens 3 Wochen vorher) oder Kontakt hatte mit einer positiv getesteten Person (mindesten 30 Tage vorher). Hier erfolgt nur die Probenentnahme in der Apotheke die das anbietet, die Auswertung macht ein Labor. Momentan weist man damit die Antikörper einer vergangenen Infektion nach - man könnte sie in Zukunft auch ummodeln, damit sie nachweisen, ob man nach der Impfung genügend Antikörper gebildet hat.

Wichtig für die Zukunft wird wohl der Nachweis - sowohl einer Impfung, eines negativen Tests oder vorhandener Antikörper nach durchgemachter Krankheit. Ein sicheres Zertifikat, das zum Nachweis einfach zugänglich ist, nicht nur in der Schweiz anerkannt ist, trotzdem die Privatdaten schützt und in das impfende und testende Gesundheitsfachpersonen das möglichst einfach eintragen können ... Das scheint aktuell noch ein grösseres Problem zu sein, von dem ich hoffe, dass es bald gelöst wird.

Pharmama.ch (exklusiv für Pharmapro.ch). 28.04.2021 - Copyrights Bilder: Adobe Stock ©


pharmaassistentin
04.05.2021 09:12
die Gefahr einer Ansteckung für Apotheker...
Sind Pharma-Assistentinnen immun?
Lucy
19.06.2021 19:29
Tatsächlich ist es aus Sicht von Apotheken eine Herausforderung, Schnelltests für Bürger anzubieten, wenn diese für bestimmte Aktivitäten verpflichtend sind. Doch an Herausforderungen wächst man bekanntlich. Viele Bürger sind sehr froh, dass ihnen in Apotheken die Möglichkeit gegeben wird, sich testen zu lassen, da dies, wie der Name bereits verrät, zeitlich recht schnell geschafft ist.
https://www.internationale-apotheke.at/service/corona-test

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