Kurz nach Nobelpreis: Neue Fortschritte mit Optogenetik erzielt


BASEL - Zwei Tage nach der Verleihung des Medizin-Nobelpreises für die Optogenetik haben Basler Forschende neue Ergebnisse in diesem Bereich vorgelegt. In einer Studie mit zehn blinden Patientinnen und Patienten konnten mehrere dank Optogenetik wieder Licht wahrnehmen.

Sieben der zehn Behandelten mit der erblichen Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa wurden lichtempfindlicher, bei sechs erreichte die Verbesserung eine zuvor festgelegte klinisch relevante Schwelle.

Die Ergebnisse der Studie unter Leitung von Botond Roska vom Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel (IOB) und José-Alain Sahel von der University of Pittsburgh wurden am späten Mittwochabend im "New England Journal of Medicine" (DOI: 10.1056/NEJMoa2602215) veröffentlicht. Bisher war es nur bei einem Patienten gelungen, mit einer optogenetischen Therapie eine Verbesserung des Sehvermögens nachzuweisen.

Bei der erblichen Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa sterben nach und nach die lichtempfindlichen Sinneszellen der Netzhaut ab. Bei der untersuchten Behandlung wird deshalb ein anderer Zelltyp der Netzhaut umprogrammiert: Die Forschenden schleusten mithilfe einer Gentherapie den Bauplan für das lichtempfindliche Protein ChrimsonR in noch vorhandene Ganglienzellen ein.


Spezielle Brille liefert Lichtsignale

Die behandelten Zellen können dadurch auf bernsteinfarbenes Licht reagieren. Dieses wird von einer speziellen Brille erzeugt. Eine Kamera nimmt die Umgebung auf, die Brille wandelt die Bildinformationen in Lichtsignale um und projiziert diese auf die Netzhaut. So sollen die genetisch veränderten Zellen Signale an das Gehirn weiterleiten.

Die Betroffenen erlangten allerdings kein normales Sehvermögen zurück. Lesen oder das Erkennen von Gesichtern war weiterhin nicht möglich. Zudem spielte das Training mit der Spezialbrille eine wichtige Rolle: Wer mehr Zeit mit dem Erlernen der neuen visuellen Signale verbrachte, schnitt bei den Tests tendenziell besser ab.

Die Ergebnisse erscheinen unmittelbar nach der Auszeichnung von drei Pionieren der Optogenetik mit dem Medizin-Nobelpreis 2026. Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel erhielten den Preis am Montag.

Die nun vorgestellte Studie zeigt eine mögliche medizinische Anwendung dieses Prinzips. "Diese Studie stellt einen wichtigen Meilenstein für die Wiederherstellung des Sehvermögens mit Optogenetik dar", wird Stefan Futterknecht, Zweitautor der Studie, in einer Mitteilung des IOB zitiert. Die Resultate zeigten, dass die Effekte aus einer ersten Studie mit einem einzelnen Patienten bei mehreren Patienten reproduziert werden können.

DOI: 10.1056/NEJMoa2602215

Quelle: Keystone-SDA - 07.10.2026, Copyrights Bild: II. Niklas Elmehed © Nobel Prize Outreach

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