Ebola: Impfstoffe und Behandlungen in Entwicklung
PARIS - Zwar gibt es derzeit weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung gegen den Ebola-Stamm, der in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) und in Uganda bereits mehr als 200 Todesopfer gefordert hat. Mehrere Projekte befinden sich jedoch in Entwicklung, in der Hoffnung, die Epidemie einzudämmen.
Seit Beginn des Ausbruchs, der am 15. Mai ausgerufen wurde, wurden mehr als 800 Fälle des Bundibugyo-Virus bestätigt, darunter 202 Todesfälle.
Das tatsächliche Ausmass der Epidemie bleibe jedoch unbekannt, warnten Hilfsorganisationen. Das Virus könnte sich weiterhin in abgelegenen Regionen der DR Kongo ausbreiten.
Um der Krise zu begegnen, arbeiten Wissenschaftler, Pharmaunternehmen und Geldgeber an neuen Impfstoffen und Behandlungen, die rasch und sicher getestet werden können.
Hier ein Überblick über die in Betracht gezogenen Optionen.
Impfstoffe
Als "vielversprechendster" Impfstoffkandidat gilt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Einzeldosis-Impfstoff "rVSV Bundibugyo".
Seine Entwicklungsplattform - eine wiederverwendbare Technologie zur Entwicklung verschiedener Impfstoffe durch Anpassung des jeweiligen Zielerregers - entspricht jener des gegen den deutlich weiter verbreiteten Ebola-Zaire-Stamm zugelassenen Impfstoffs Ervebo.
Die WHO schätzt jedoch, dass es voraussichtlich sieben bis neun Monate dauern wird, bis Tests am Menschen beginnen können.
Nach Angaben des Virologen Thomas Geisbert, der beide rVSV-Impfstoffe entwickelt hat, könnte dieser Zeitraum "vielleicht auf sechs bis sieben Monate verkürzt werden", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.
Ein weiterer Impfstoffkandidat, der auf der ChAdOx1-Plattform basiert, die auch beim Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca verwendet wurde, könnte früher einsatzbereit sein.
Er wird derzeit von der Universität Oxford gemeinsam mit dem weltweit grössten Impfstoffhersteller, dem Serum Institute of India, entwickelt.
Der US-Konzern Moderna arbeitet seinerseits an einem Impfstoff gegen den für den Ausbruch verantwortlichen Stamm und nutzt dabei die mRNA-Technologie, die bereits bei der Bekämpfung von Covid-19 eingesetzt wurde.
Die Impfstoffe von Oxford und Moderna könnten laut der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) bereits in zwei bis drei Monaten in Phase-1-Studien am Menschen getestet werden. "Bereits im Juli, wenn alles gut läuft", sagte eine Sprecherin am Donnerstag.
Die Koalition hat mehrere Millionen Dollar zugesagt, um die Entwicklung dieser drei Impfstoffkandidaten zu beschleunigen.
Diese drei Projekte basierten auf Impfstoffplattformen, die "jeweils unterschiedliche Vorteile, aber auch Schwächen aufweisen", sagte Aurelia Nguyen, stellvertretende Generaldirektorin der in Oslo ansässigen Non-Profit-Organisation.
Ob sie tatsächlich wirksam seien, müsse sich noch zeigen. Wichtig sei jedoch gewesen, "alle Chancen auf unsere Seite zu bringen".
Behandlungen
Die WHO empfahl zudem, drei Behandlungen für rasche klinische Studien zu priorisieren. Dazu gehört Remdesivir, ein vom US-Unternehmen Gilead entwickeltes antivirales Medikament, das gegen Covid-19 eingesetzt wurde.
Laborergebnisse deuteten darauf hin, dass es gegen das Bundibugyo-Virus wirksam sein könnte. Gegen diesen Stamm wurde es jedoch bislang nicht am Menschen getestet.
Ein weiteres Medikament für klinische Studien ist der monoklonale Antikörper MBP134, entwickelt von Mapp Biopharmaceutical. Er richtet sich gegen verschiedene Ebola-Stämme, darunter auch Bundibugyo.
Die dritte Option ist ebenfalls ein monoklonaler Antikörper mit dem Namen Maftivimab, entwickelt vom Unternehmen Regeneron.
"Diese Kandidaten werden derzeit geprüft und sollen so rasch wie möglich in den betroffenen Ländern klinisch getestet werden", erklärte der Internationale Verband der pharmazeutischen Industrie (IFPMA) in dieser Woche.
Untersucht wird zudem eine vorbeugende Tablette des Unternehmens Gilead mit dem Namen Obeldesivir.
Dieses antivirale Medikament konnte in Versuchen Affen von zwei anderen Ebola-Stämmen heilen. Gegen den Bundibugyo-Stamm wurde es bisher jedoch nicht getestet.
Quelle: Daniel Lawler, AFP (via Keystone-SDA) - 22.06.2026, Copyrights Bilder: Adobe Stock/© 2026 Pixabay