Kostenanstieg für Psychotherapie hat sich verlangsamt


BERN - Die Kosten für mit den Krankenkassen abgerechnete psychologische Psychotherapien haben sich nach einem anfänglichen starken Anstieg wieder verlangsamt. Doch die Kosten pro Kopf sind gestiegen, und die Zahl der Praxen ist gewachsen.

Psychologische Psychotherapeuten und -therapeutinnen können seit Mitte 2022 zulasten der Grundversicherung auf ärztliche Anordnung hin selbständig und auf eigene Rechnung behandeln. Zuvor waren Abrechnungen mit Krankenkassen nur möglich, wenn die Behandlungen delegiert und unter Aufsicht von berechtigten Ärztinnen und Ärzten in deren Räumen erbracht wurden.

Leichterer Zugang

Der Systemwechsel sollte den Zugang zur Psychotherapie vereinfachen, wie das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) schreibt. Es hat den am Montag veröffentlichten, dritten Monitoringbericht zu den Bruttokosten für die Grundversicherung der ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung verfasst.

2025 beliefen sich die Kosten für mit den Krankenkassen abgerechnete psychologische Psychotherapien auf rund 991 Millionen Franken. 2021 - das letzte ganze Jahr vor dem Systemwechsel - waren die Kosten mit 528 Millionen Franken noch etwas mehr als halb so hoch.

Der höchste jährliche Anstieg von 36,4 Prozent wurde 2023 registriert. Danach ging es langsamer bergauf. 2024 waren die Kosten noch um 12,1 Prozent höher als im Vorjahr, und im vergangenen Jahr betrug der Anstieg 7,7 Prozent.

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Mehr Kosten pro Kopf

Pro versicherte Person und Jahr stiegen die Kosten von 2021 bis 2025 von 60 auf 106 Franken. Auch hier war der prozentuale Anstieg 2023 höher als in den beiden Jahren danach. In Praxen nahmen die Kosten pro Kopf prozentual schneller zu als in institutionellen Settings.

Diese Zunahme hat mehrere Ursachen. 30 Prozent entfallen auf Tarifänderungen. Rund 6 Prozent werden auf die Zusammensetzung und Veränderungen im Versichertenkollektiv zurückgeführt.

Die übrigen 64 Prozent werden mit einer langfristig wachsenden Inanspruchnahme von psychotherapeutischen Leistungen und dem verbesserten Zugang zu Psychotherapien sowie der Reduktion der Unterversorgung begründet, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt. Schon vor dem Systemwechsel waren die Kosten für Psychotherapie stetig gestiegen, aber langsamer.

Gestiegen ist nach Angaben des BAG auch die Zahl der Anbieter. Ende 2023 rechneten 5026 Praxen und 478 Organisationen der psychologischen Psychotherapie zulasten der Grundversicherung ab. Seither stieg die Zahl der Praxen im Mittel um jährlich 5,8 Prozent und die Zahl der Therapie-Organisationen um durchschnittlich 18 Prozent pro Jahr.

Angesichts der hohen Mehrkosten will der Bundesrat die Entwicklung der Kosten weiter beobachten. Dabei wird nach Angaben des BAG geprüft, wie das Monitoring mit verfügbaren Daten um weitere Indikatoren ergänzt werden kann.

Zugang wieder einschränken

Das Thema beschäftigt auch die Politik. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N) will den Zugang zu den psychologischen Psychotherapien wieder einschränken. Patientinnen und Patienten sollen vor der Therapie einen Psychiater oder eine Psychiaterin aufsuchen und eine Diagnose erhalten müssen.

Laut Insidern würden heute in vielen Fällen Symptome ohne Krankheitswert behandelt, schrieb die Kommission im vergangenen August zu ihrer Motion. Und der Bundesrat dürfte verkennen, dass heute Facharztgruppen psychologische Psychotherapie anordnen könnten, die nicht auf psychische Diagnosen spezialisiert seien.

Über die Motion hat als nächstes der Nationalrat zu entscheiden. Der Bundesrat hat zu dem Vorstoss noch nicht Stellung genommen.

Quelle: Keystone-SDA - 02.11.2026, Copyrights Bilder: Adobe Stock/© 2026 Pixabay

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