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Interview mit Dr. Mathieu Noyer

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BERN - Dr. Mathieu Noyer ist Offizinapotheker. Er hat zusammen mit seinem Bruder und seiner Schwester die Führung der Noyer Apotheken übernommen. Obwohl die Familie bereits äusserst bekannt ist für Ihr Spezialwissen im Bereich der Alternativmedizin, hat sie nie aufgehört, sich selber neu zu erfinden und mit Herzblut und Energie sich weiterzuentwickeln zugunsten Ihrer Kundinnen und Kunden.

1. Pharmapro.ch - Können Sie bitte in wenigen Worten Ihren beruflichen Werdegang beschreiben?
Dr. Mathieu Noyer - Grundsemester in Fribourg, Praktikum in der St. Peter Apotheke und der Odeon Apotheke in Zürich, Fachsemester und Staatsexamen in Lausanne. Dissertation am Departement für Klinische Forschung der med. Fakultät der Uni Bern.

2. Können Sie uns etwas über die Geschichte Ihres Unternehmens sagen?
Julien Noyer, 1891-1969, Apotheker, führte von 1920-1933 eine Apotheke in Romont FR. 1933 übernahm er am Bollwerk die Apotheke Mosimann, eine der ältesten Apotheken Berns, in welcher schon damals die Homöopathie in kleinen wunderschönen Milchglasgefässen präsent war. 

Offen für die Komplementärmedizin und in Zusammenarbeit mit sowohl homöopathisch wie auch anthroposophisch orientierten Ärzten entwickelte sich die Apotheke durch Julien Noyer im Laufe der Jahre neben einem grossen Sortiment der Schulmedizin zum Zentrum der Komplementärmedizin in Bern.

In zweiter Generation seit 1964 erweiterte der Sohn Jean Maurice Noyer mit seiner Frau Susanne Noyer, beide Apotheker, mit Präparaten der Spagyrik, der Phytotherapie, der englischen Bachblüten und australischen Buschblüten, der Schüsslersalze der Spezialpflanzenextrakte von Ceres und anderer anthroposophischen Präparate der Firma WALA im gleichen Sinn und Geist ihren Medikamentenschatz.

Ende 2008 erfolgte die Übergabe in Form einer Holding an die dritte Generation. Alain Noyer (Geschäftsführer der Abteilung TCM), Anne Laurence Noyer und Dr. Mathieu Noyer. Alle drei sind Apotheker. Susanne und Jean Maurice Noyer sind weiterhin in den Apotheken tätig.

3. Dr. Noyer, Ihr Unternehmen ist seit 75 Jahren erfolgreich. Ihr Name ist in der ganzen Schweiz bekannt. Sie haben auch mehrere Filialen. Was ist Ihr Geheimnis?
Den Bekanntheitsgrad haben massgeblich unsere Eltern vergrössert, also die zweite Generation. Während ihrer Aufbauphase befand sich die Komplementärmedizin in einer Pionierzeit. Unsere Eltern haben sehr viel Herzblut und Kraft in das Unternehmen gesteckt. Der Erfolg kam nicht von alleine. Es war damals eine Zeit mit gesunden hohen Margen, keinen Discountern und einigen Berufskollegen, die ihre Zeit lieber auf dem Golfplatz verbracht haben als in der Apotheke. Unser Vater hatte kein Büro, er steuerte alles vom Ladentisch aus, war ständig am Kunden präsent und handelte intuitiv und rasch.

Heute sind wir anders aufgestellt, wir teilen die Geschäftsführung unter uns drei Geschwister, treffen uns wöchentlich und ergänzen uns gegenseitig mit unseren Stärken. Geblieben ist die Freude an der Arbeit, das unermüdliche Bestreben, Neues anzupacken, uns täglich zu verbessern und dabei weiterhin aufmerksam dem Kunden zuzuhören. Das sind womöglich ein paar Zutaten, die in dem Geheimnis stecken.

4. Ich kenne einige Apotheker/innen, die gezögert haben, den elterlichen Betrieb zu übernehmen und haben zuerst noch eine Doktorarbeit oder andere Weiterbildungen absolviert, bevor sie schliesslich dann doch den Familienbetrieb übernommen haben. 
Ist es schwierig, als Sohn einer Apothekenfamilie den elterlichen Betrieb zu übernehmen? War es von Anfang an klar, dass Sie den Betrieb weiterführen werden?
Ich wollte bereits im Gymnasium später in das Familienunternehmen eintreten. Nach dem Studium hatte ich das Glück, eine Doktorarbeit zu finden, welche mir zumindest in den ersten beiden Jahren ein wenig paralleles Arbeiten in der Apotheke ermöglichte. Das war für mich das Ausschlusskriterium für eine Dissertation.

Das Verhältnis zum Vater ist sehr gut, seine Offenheit Dinge abzugeben ist beeindruckend. Meinungsverschiedenheiten und dicke Luft gab es natürlich auch bei uns, ganz normal, doch waren die nie so stark, dass es kritisch wurde. 

5. Haben Sie einen Traum? Einen beruflichen Ehrgeiz? Können Sie uns z.B. etwas über die TCM Praxis, welche Sie aufgebaut haben, erzählen? War dies eine Reaktion auf die sinkenden Margen oder eine Leidenschaft, die Sie haben?
Mein Traum ist, dass wir mit unserer Tätigkeit einen besonderen Ort schaffen können, dass wir eine Kraft freisetzen, die unvergleichlich ist, eine Kompetenz, Persönlichkeit und Attraktivität die den Kunden beruhigt, am richtigen Ort zu sein. Es ist noch viel mehr möglich, als das was wir heute bereits leisten.

Die TCM-Praxis ist das Werk meines Bruders Alain. Er hat 1996 im ganz kleinen Rahmen begonnen, einzelne TCM-Magistralrezepturen für die Berner Kundschaft auszuführen, immer auf Verordnung eines Arztes oder auf Empfehlung eines Therapeuten. Bereits zu dieser Zeit suchten wir stets nach neuen Nischen, um die staatlich reglementierten Sektoren zu ergänzen. Mit den Jahren ist die Nachfrage und somit auch das Labor gewachsen. Heute beschäftigt er 16 Mitarbeiter und liefert TCM-Flüssigexrakte in die ganze Schweiz. Auch hier spielte seine Freude und Unermüdlichkeit eine entscheidende Rolle.

6. Was lieben Sie am Apothekerberuf? Welche Ziele haben Sie für den Apothekerberuf in der Zukunft? Anders gesagt, welchen Nutzen bringt der Apotheker der Gesellschaft im Jahr 2017?
Als Apotheker helfen sie täglich Menschen, lösen gesundheitliche Probleme und sind in einem Umfeld von fast grenzenloser Vielseitigkeit tätig. Sie haben die Chance, selbständig zu arbeiten und ein Unternehmen mit Mitarbeitern zu führen. Dies sind die Aspekte, die ich an diesem Beruf liebe.

Die Apotheke bringt der Gesundheit der Gesellschaft einen hohen Nutzen, nicht nur als niederschwellige Anlaufstelle zur medizinischen Triage. Sichere Selbstmedikation bei Bagatellerkrankungen, die zweite Meinung nach dem Arztbesuch, begleitende Unterstützung bei medikamentösen Therapien.

7. Was ist in Ihren Augen die grösste Herausforderung für die Apotheker in den Zeiten der sinkenden Margen?
Das Umfeld der Apotheke hat sich verändert und wird weiterhin starken Strömungen ausgesetzt sein. Was in all dem Wandel unverändert bleibt ist, dass der Apotheker ein selbständiger Unternehmer ist, der Mitarbeiter beschäftigt und ein Ladenlokal an gut frequentierter Lage benötigt. Damit er in Zukunft steigende Personalkosten und Mieten bezahlen kann, ist er auf alternative Einnahmequellen angewiesen, sonst geht das Spiel nicht mehr auf. Dass seine Beratungsleistungen abgegolten werden müssen ist das eine, wird allerdings aus meiner Sicht als Kompensation nicht ausreichen. Er wird stärker gefordert sein, sich als attraktives Kompetenzzentrum zu positionieren. Er braucht Geschick, Innovation, Fantasie und ein Gespür für Markttrends.

8. Wie kann Ihrer Meinung nach die Zusammenarbeit zwischen Apothekern, Ärzten und anderen Leistungserbringern verbessert werden? Glauben Sie, dass dies für das Überleben der Offizinapotheker von strategischer Bedeutung ist?
Die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgattungen muss jeder selbst in seinem Alltag im ganz kleinen Rahmen pflegen und kultivieren. Nur so verbessert sich etwas.

Ich denke, dass ein respektvoller Umgang auf der gleichen Augenhöhe nötig ist, als Grundvoraussetzung für gute Zusammenarbeiten jeder Art. Doch halte ich diesen Aspekt nicht für den entscheidenden Faktor zum Überleben.

9. Was mögen Sie lieber? Tee oder Kaffee?
Kaffee


Von: Van Nguyen, Apothekerin, Pharmapro GmbH - 17.06.2017

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