Gesundheit - Verzicht auf Zigarette: Risiko für Herzinfarkt und Krebs sinkt


LEIPZIG - Nach der letzten Zigarette kommt für Raucher ein hartes Stück Arbeit: Vor einer erfolgreichen Tabakentwöhnung stehen viele Hürden - angefangen von Entzugserscheinungen bis hin zum "inneren Schweinehund". Zum Weltnichtrauchertag am heutigen Freitag ein Überblick, warum sich ein Rauchstopp dennoch lohnt:

WELCHE RISIKEN REDUZIEREN SICH MIT DEM RAUCHSTOPP?

Wer die Finger von der Zigarette lässt, verringert generell das Risiko für verschiedenste Erkrankungen. So ist Rauchen für etwa ein Fünftel aller Krebserkrankungen direkt verantwortlich, aber auch Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Schlaganfälle oder chronische Bronchitis lassen sich häufig auf das Rauchen zurückführen. Raucher haben beispielsweise ein um 65 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt als Nichtraucher.

Jedes Jahr sterben in der Schweiz rund 9500 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Das sind 26 Todesfälle pro Tag und 14 Prozent aller Todesfälle. Wer raucht oder rauchte, zeigt zudem ein viel höheres Risiko, eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) oder eine rheumatoide Arthritis - eine Gelenkentzündung - zu entwickeln. Rauchen schädigt auch Augen, Zähne, den Verdauungstrakt und wirkt sich auf die Fruchtbarkeit aus.

WAS BRINGT DER VERZICHT KONKRET?

Schon drei Tage nach der letzten Zigarette verbessert sich laut Fachleuten die Funktion der Atemwege. Nach einer Woche sinkt der Blutdruck und damit das Herzinfarktrisiko. Nach einem bis neun Monaten gehen Hustenanfälle, Verstopfungen der Nasennebenhöhlen und Kurzatmigkeit zurück. Die Lunge wird allmählich gereinigt, indem Schleim abgebaut wird. Die Infektionsgefahr verringert sich.

Zwei Jahre nach einem Rauchstopp hat ein früherer Raucher fast das gleiche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie ein Nichtraucher. Wer fünf Jahre rauchfrei ist, liegt beim Herzinfarktrisiko gleichauf mit Nichtrauchern. Nach fünf Jahren sinkt auch das Risiko für Krebserkrankungen in Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre und Harnblase auf die Hälfte. Auch das Schlaganfallrisiko kann bereits nach zwei bis fünf Jahren auf das eines Nichtrauchers sinken.


WAS IST MIT DEM GEFÜRCHTETEN LUNGENKREBS?

Bis zu 85 Prozent der Lungenkrebstodesfälle lassen sich auf Tabakkonsum zurückführen - bei keiner anderen Krebsart kann ein Rauchstopp so viele Sterbefälle vermeiden. Zehn Jahre nach dem Aufhören hat ein ehemaliger Raucher ein nur noch halb so hohes Risiko für Lungenkrebs, als wenn er dauerhaft weitergepafft hätte.

Die Krebsstatistik zeigt ein unterschiedliches Bild: Während die Zahl der Lungenkrebsfälle bei Männer seit einigen Jahren leicht sinkt, nimmt sie bei Frauen zu. Experten führen das auf ein veränderten Rauchverhalten zurück. So rauchten in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Frauen, während die Zahl der männlichen Raucher sank.

WIE WIRKT SICH DER RAUCHSTOPP AUF DIE LEBENSZEIT AUS?

Nach Berechnungen in Deutschland verkürzt starkes Rauchen das Leben im Schnitt um zehn Jahre. Die Versicherer kommen auf sechs bis sieben Jahre weniger Lebenszeit. Der schlimmste Fall ist ein fettleibiger starker Raucher, der viel Alkohol trinkt und viel rotes Fleisch isst - er büsst gegenüber besonders gesund lebenden männlichen Altersgenossen rund 17 Jahre an Lebenserwartung ein. Bei einer Frau liegt der Unterschied bei fast 14 Jahren Lebenszeit.

DROHT EINE GEWICHTSZUNAHME?

Untersuchungen zufolge legen ehemaligen Raucher in den ersten Wochen nach dem Aufhören im Schnitt zwei bis vier Kilogramm zu. Als Ursache gelten ein gedrosselter Stoffwechsel sowie eine vermehrte Kalorienaufnahme nach dem Rauchstopp.

Nikotin beschleunigt die Stoffwechselvorgänge und "verbrennt" etwa 200 Kalorien zusätzlich am Tag. Zudem wirkt Nikotin appetithemmend. Nach dem Rauchstopp verbrennt der Körper weniger Energie, gleichzeitig greifen viele statt zur Zigarette verstärkt zu Süssem und Snacks. Möglicherweise erhöht auch eine bestimmte genetische Veranlagung das Risiko für eine Gewichtszunahme.

WIEVIEL SPART MAN MIT DEM RAUCHSTOPP?

Das Einsparpotenzial ist nicht zu unterschätzen. Beim Konsum einer Schachtel Zigaretten täglich summieren sich die Gesamtkosten im Laufe von zehn Jahren auf mehr als umgerechnet 36'000 Franken und nach 30 Jahren auf gut 165'000 Franken, wie eine Modellrechnung des Vergleichsportals Verivox zeigt.

SIND E-ZIGARETTEN EINE ALTERNATIVE?

Experten sagen ganz klar nein. Dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zufolge sind E-Inhalate im Vergleich zum Tabakrauchen zwar wahrscheinlich etwas weniger schädlich, weil die Liquids nicht verbrannt, sondern erhitzt werden. Eine Gefahr für die Gesundheit sind sie trotzdem.

Nach Angaben der deutschen Ärztekammer kann das in den meisten dieser Produkte enthaltene Nikotin die Hirnentwicklung negativ beeinflussen und abhängig machen. Zudem enthalten die auch bei Kindern und Jugendlichen beliebten E-Zigaretten demnach krebserregende Substanzen und können die Atemorgane und das Herzkreislaufsystem angreifen. Das Risiko, später auf Tabakzigaretten umzusteigen, ist bei jungen E-Zigaretten-Konsumenten dreimal höher als bei ihren abstinenten Altersgenossen.

Quelle: SDA / Keystone - 31.05.2024, Copyrights Bilder: Adobe Stock/© 2024 Pixabay

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