Interview mit Christophe Berger, Präsident des Waadtländer Apothekerverbandes

LAUSANNE Christophe Berger ist Apotheker und Miteigentümer zweier Apotheken in Lausanne und Präsident des Waadtländer Apothekerverbandes (SVPH). Er setzt sich tatkräftig für die Berufsgruppe ein, und durch die Veranstaltung von Weiterbildungskursen wirkt er seit vielen Jahren aktiv im SVPH mit; seit 2016 ist er neuer Präsident der SVPH.

1. Was ist Ihre erste Handlung bei Ihrer Ankunft am Arbeitsplatz?
Oft komme ich als Erster in die Apotheke, dann schalte ich die Computer und den Automaten ein. Wenn ich am Vortag nicht da war, sehe ich mir die getätigten Geschäfte an, um auf dem Laufenden zu sein. Schliesslich lese ich bei einer guten Tasse Kaffee die E-Mails. Das ist eine bewährte Angewohnheit.

2. Wie würden Sie Ihren beruflichen Werdegang (Studium, Arbeitsstellen) in wenigen Worten zusammenfassen?
Meine ersten Studienjahre habe ich in Neuenburg absolviert, wo ich aufgewachsen bin. Mein Praktikum erfolgte in der Apotheke meines Onkels, der Pharmacie de l'Orangerie. Schon während meiner Gymnasialzeit hatte ich dort am Samstagvormittag gearbeitet. Dann bin ich nach Lausanne gegangen, und ich habe den Umzug der École Romande de Pharmacie (EPGL) nach Genf miterlebt, wo ich mein Studium abgeschlossen habe. Während des Winterhalbjahres habe ich als Apotheker in Montana gearbeitet. Anschliessend wurde ich stellvertretender Apotheker in der Pharmacie 24 in Lausanne. Nach einer kurzzeitigen Mitarbeit in der Apotheke der PMU (Universitätspoliklinik) unterstützte ich Frau Monique Chemali bei der Eröffnung ihrer Apotheke in Le Flon. Drei Jahre später wurde ich ihr Teilhaber, und wir eröffneten eine zweite Apotheke in Ouchy. Zur selben Zeit trat ich dem Vorstand des Waadtländer Apothekerverbandes bei, dessen Vorsitz ich schliesslich dieses Jahr übernommen habe.

3. Was gefällt Ihnen am Apothekerberuf?
Was ich am meisten schätze, ist die Beziehung, die man zu den Patienten aufbaut. Die positive Rückmeldung der Kunden ist motivierend. Es macht mir Freude, mein Team zu leiten und meinem Unternehmen zur Entfaltung zu verhelfen. Der Kontakt zu den anderen medizinischen Fachkräften bedeutet mir viel.

4. Was halten Sie von dem Satz "Der Kunde/Patient ist König (oder steht im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit)"?
Ich sage lieber, er steht im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit.

5. In welchem Bereich kann der Apotheker der Gesellschaft nützen, mit anderen Worten, welchen Mehrwert hat der Apotheker im Jahr 2016 zu bieten?
Die wichtigste Aufgabe, die der Apotheker gegenüber der Gesellschaft erfüllt, besteht in der pharmazeutischen Triage. Der Zugang zu einer medizinischen Fachkraft ohne Termin stellt einen Mehrwert für die Patienten dar. Die Prävention ist ein Bereich, den es auszubauen gilt. Dabei kann der Apotheker einen Mehrwert bieten. Studien zeigen, dass die Ermutigung zur Therapietreue einen Mehrwert für die Patienten und für die Gesellschaft darstellen kann. Apotheker erfüllen alle Voraussetzungen, um in Bezug in diesem Bereich eine führende Rolle zu übernehmen.

6. Haben Sie einen Traum, eine berufliche Vision?
Mein Traum bezieht sich weniger auf meine persönliche Karriere, denn sie entwickelt sich im Zuge der Begegnungen. Doch ich wünsche mir, dass alle Projekte, alle Bildungsmassnahmen, alle Innovationen dazu beitragen, dem Beruf des Apothekers immer mehr Anerkennung zu verschaffen.

7. Wie sehen Sie die Zukunft des Berufs, hat der Apotheker beispielsweise im Bereich der Prävention chronischer Krankheiten einen Beitrag zu leisten?
Apotheker spielen eine wichtige Rolle im Bereich der Prävention. Leider beruht unser Gesundheitssystem auf kurzfristigen Erfolgen, sodass die Prävention als Nebensächlichkeit betrachtet wird.

8. Was ist die grösste Herausforderung im Beruf des Apothekers?
Zukunftsorientiertes Handeln im Hinblick auf die Veränderungen innerhalb unseres Berufs. Da ich in meiner Familie der vierten Generation von Apothekern angehöre, ist mir klar, dass sich der Beruf des Apothekers gründlich gewandelt hat, und ich bin sicher, dass er sich noch mehr verändern wird.

9. Wie kann die Beziehung und die Zusammenarbeit zwischen Apothekern, Ärzten und anderen Handlungsträgern des Gesundheitssystems verbessert werden?
Ich habe gehört, dass innerhalb der Studiengänge der Pharmazie und Medizin Änderungen eingeführt werden, um die Idee der Zusammenarbeit bereits in dieser Phase zu fördern. Dies ist meiner Ansicht nach eine sehr sinnvolle Initiative. Darüber hinaus sind Qualitätszirkel eine sehr gute Methode, um mit Ärzten Zeit zu verbringen und echte Beziehungen aufzubauen.

10. Wie kann auf die fortwährende Preissenkung bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln, die vom Bundesrat beschlossen wurde, reagiert werden? Welche Mittel stehen den Apotheker und ihren Berufsverbänden zur Verfügung?
Das ist eine schwierige Frage. Tatsächlich wird auf das Gesundheitssystem im Allgemeinen sehr viel Druck ausgeübt, um den Anstieg seiner Kosten einzudämmen. Für die Apotheker war es nicht leicht, mit den Preissenkungen fertig zu werden. Die Lobby-Arbeit bei Politikern ist ein Weg, über den wir versuchen können, dieser Preissenkung Einhalt zu gebieten.

11. Zum Abschluss, sind Sie eher Teetrinker oder Kaffeetrinker?
Ein Kaffee hilft mir, den Arbeitstag zu meistern, und ein Tee verschafft mir Entspannung.


© Copyright 01.06.2016 - Dieses Interview wurde von Frau Van Nguyen, Apothekerin, per E-Mail durchgeführt. 


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