Zunehmend illegale Arzneimittel-Sendungen aus der EU
BERN - Illegale Arzneimittelsendungen kommen zunehmend aus der EU in die Schweiz. Wurden 2022 noch 9 Prozent der von den Behörden bearbeiteten Pakete in Westeuropa aufgegeben, waren es im vergangenen Jahr 40 Prozent. Es werden auch andere Produkte bestellt als in früheren Jahren.
41 Prozent der sichergestellten Päckchen enthielten Erektionsförderer. Diese waren zwar immer noch das am meisten bestellte Produkt, aber ihr Anteil ging im Vergleich mit früheren Jahren stark zurück, wie das Schweizer Heilmittelinstitut Swissmedic am Montag schrieb.
Gefragte Produkte gegen Haarausfall
Markant häufiger bestellt als noch 2024 wurden dagegen Präparate gegen Haarausfall - mit einem Anteil von 19 Prozent - sowie Hormone (einschliesslich Melatonin). Sie hatten einen Anteil von zwölf Prozent. Viele dieser sichergestellten Produkte stammten aus den USA und kämen teilweise über EU-Transitländer in die Schweiz.
Sichergestellt wurden auch Arzneimittel mit in den Worten von Swissmedic "erheblichem Abhängigkeitspotenzial". Es waren unter anderem Schlaf- und Beruhigungsmittel und Psychopharmaka, Nasensprays und Abführmittel.
Drei Prozent der Sendungen enthielten Medikamente gegen Krankheitserreger, darunter Antibiotika, Antiparasitika und antivirale Arzneimittel. Unkontrolliert angewendet, könnten solche Substanzen zur Resistenzbildung beitragen, gibt Swissmedic zu bedenken.
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Professionelle Zwischenhändler
Geändert hat sich auch die Herkunft der Pakete. Wurden 2022 noch 9 Prozent der von den Behörden bearbeiteten Pakete in Westeuropa aufgegeben, waren es 2025 schon 40 Prozent. Aufgegeben worden waren Sendungen aus Westeuropa, vor allem in Frankreich und in Deutschland. Gleichzeitig gingen die Anteile der Päckchen aus Indien und aus Osteuropa zurück.
Swissmedic stellte dabei fest, dass ausländische Anbieter als vermeintliche Schweizer Online-Apotheken operieren. Konsumentinnen und Konsumenten werde mit Schweizer Symbolen, Domain-Endungen oder Logos Seriosität und rechtliche Sicherheit vorgegaukelt. Doch diese Anbieter hätten weder einen Bezug zur Schweiz noch eine Bewilligung für den Versandhandel.
Ein Problem für die Kontrollen sind neben neuen Produktetrends und veränderten Lieferwegen professionell organisierte Zwischenhändler. In einer internationalen Schwerpunktaktion mit illegalem Zwischenhandel im Fokus zeigte sich, dass indische Erektionsförderer über solche Zwischenhändler in der EU versandt wurden.
Die Masche war, die Lieferungen in kleine Teilsendungen aufzuteilen. Damit sollten die Sendungen unter der für Private tolerierten Einfuhrmenge von einem Monatsbedarf bleiben. In der Schwerpunktaktion konnten über 200 Teilsendungen zugeordnet, zusammengeführt und beschlagnahmt werden, wie Swissmedic schreibt.
Kontrollen für Gesundheitsschutz
Trotz eines Anstiegs um 17 Prozent gegenüber 2024 ist die Zahl der illegalen Arzneimittelsendungen im Mehrjahresvergleich in etwa stabil geblieben. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) stellte 2025 insgesamt 6647 illegale Arzneimittelsendungen fest. Mitgerechnet werden Fälle, die von den Kantonen bearbeitet werden.
Für 6398 Fälle war Swissmedic zuständig. 94 Prozent davon konnten im vereinfachten Verfahren erledigt werden: Wer Arzneimittel von illegaler Herkunft für den Eigengebrauch bestellt, wird verwarnt, und die Bestellung wird vernichtet. Zusätzlich wurden 70 ordentliche und kostenpflichtige Verwaltungsverfahren durchgeführt.
Swissmedic begründet die Überwachung der Geschäfte mit illegal eingeführten Arzneimitteln mit dem Schutz vor gesundheitlichen Risiken, setzt aber auch auf Aufklärung. Nicht überprüfte und illegal importierte Arzneimittel könnten die Gesundheit gefährden, schreibt das Heilmittelinstitut.
Quelle: SDA / Keystone - 16.02.2026, Copyrights Bilder: Adobe Stock/© 2026 Pixabay
