Warum machen wir uns das Bewerben so schwer?


Bei Pharmama.ch

20 Jahre Apotheke, über 15 Jahre als Betriebsleiter - da habe ich einiges an Erfahrung gesammelt, was das Identifizieren von guten oder schlechten Bewerbungen angeht, auch wenn ich selber schon lange keine mehr schreiben musste.

Vorerst aber ein Mutmacher an alle Stellensuchenden und Neu-Bewerbenden: Macht es! Der Arbeitsmarkt ist günstig für Apothekerinnen, Drogistinnen und Pharmaassistentinnen (männliche Form immer mitgemeint). Egal ob du dich zu den blutigen Anfängern oder zum alten Eisen zählst: du hast die Ausbildung, du hast das Wissen und wenn du so qualifiziert bist, dann findest du jetzt einen Job. Der Fachkräftemangel wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken - und auch wir suchen.

Momentan schaue ich fast jeden persönlich an, fast egal, wie die Bewerbung aussieht - aber da gibt es natürlich schon bessere und schlechtere. Hier ein paar Tipps:

Der Erste Eindruck ist wichtig und kann nicht wiederholt werden. Das gilt auch für Bewerbungsunterlagen. Die bestehen normalerweise aus:

- Motivations- oder Bewerbungsschreiben

- Lebenslauf

-zusätzliche Dokumente wie Zeugnisse

Das Motivations- oder Bewerbungsschreiben

Das kann sehr kurz sein - bei der Bewerbung per email reicht da ein kurzer Text im Email selber mit:

- Anrede an die Person, die im Stellenbeschrieb erwähnt ist,

- Wie man auf die offene Stelle aufmerksam geworden ist (oder weshalb das eine Initiativbewerbung ist)

- Was einem an der Stelle interessiert / aufgefallen ist: die Motivation.

Im besten Fall scheint dabei schon etwas von der Persönlichkeit durch, die man als Arbeitgeber sich für die Stelle wünscht.

Gar nicht geht: merkbar Copy-Paste und dazu falsche Anrede / falsche Apotheke oder Drogerie im Text. Und Bewerbungen, die total nicht zum Anforderungsprofil passen, weil die Qualifikation fehlt.

Der Lebenslauf / CV:

Curriculum vitae ist alt-lateinisch, so überholt sollte sich der Lebenslauf nicht darstellen. Am besten sind klar strukturierte und ansprechend gestaltete Lebensläufe die aktuell sind (!) und folgendes enthalten:

- Persönliche Angaben: Kontaktdaten, mail, Telefonnummer, Adresse, Geburtsdatum.

- Berufliche Stationen / Aus- und Fortbildungen: und zwar antichronologisch, das heisst letzter Job / Ausbildung zuoberst.

- Sprach- und EDV Kenntnisse: gerade Sprachkenntnisse sind gefragt in unserem Dienstleistungssektor mit breitem Kundenkontakt.

- Soft Skills: Belastbarkeit, Verantwortungsbereitschaft, Flexibilität, Humor

- Anderes: ehrenamtliche, kulturelle oder sonstige Aktivitäten, Hobbies

Für mich als Arbeitgeber gehört der Lebenslauf zum wichtigsten Bestandteil der Bewerbung. Im besten Fall gibt er mir ein umfassendes fachliches, persönliches und authentisches Bild vom Bewerber, ohne dass ich mir die Informationen lange zusammensuchen muss.

Ich brauche die Infos, um abzuschätzen, ob jemand ins Team passen könnte. Als Chef baut man sich einen grossen Teil des Betriebsklimas selbst. Ein gutes Team und ein angenehmes Arbeitsklima sind ein riesiges Plus für jeden: Mitarbeiter, Kunden und Betriebsleiter.

Der Umfang des Lebenslaufes ist abhängig vom Bewerber selbst: Für Berufsanfänger reicht 1 Seite. Fachkräfte, Lebensläufe für Berufserfahrene und Führungskräfte dürfen 3 Seiten haben.

Ganz wichtig auch: Die Qualifikation muss sofort erkennbar sein. Es ist ein Unterschied, wenn ich eine Apothekerin suche, eine Apothekerin zur Stellvertretung oder eine Apothekerin zur Betriebsleitung. Oder bei Pharmaassistentinnen / Drogistinnen: Wann war die Ausbildung? Gibt es Erfahrung bei der Drogistin im Bereich Rezepte? Wenn man schon lange "draussen" ist, wäre ein Wiedereinsteigerkurs schön. Besteht bei Nicht-Schweizern eine Arbeitsbewilligung (oder kann eine erreicht werden)?

Beim heutigen Fachkräftemangel beginnen wir zwar gewisse Arbeiten von Nicht-Fachkräften ausführen zu lassen, aber dafür suche ich dann entsprechend auch (woanders).

Format: Ein Foto (im oberen Teil) ist ein Plus. Vorausgesetzt es ist einigermassen aktuell und kein Partybild. Ein einfacher "Headshot" reicht.

Kleinere Rechtschreibefehler sind nicht schlimm, aber zeigen, dass nicht so auf die Details geachtet wurde. Am besten zeigt man vor dem Abschicken seine Bewerbung jemandem (Freund oder Familienmitglied reicht) zum Korrekturlesen.

Versende die fertig formulierte und strukturierte Bewerbung als PDF. Wenn .doc, .docx oder gar .pages als Format verwendet wird, kann es sein, dass es die Formatierung beim Öffnen verschiesst, und das wäre schade, wenn man sich vorher da Mühe gegeben hat, etwas strukturiertes und optisch Ansprechendes zu schaffen.

Oh - und entgegen den aktuellen Empfehlungen gewisser Berufs-Vereine: Bitte schickt die ganzen Unterlagen nicht als eine ZIP Datei! Speziell, wenn nicht unbedingt eine Bewerbung erwartet wird. ZIP-Dateien müssen erst entpackt werden und sie können alles enthalten ... gerne auch mal Programme und Viren, weshalb viele Personalchefs die nicht öffnen.

Zusätzliche Dokumente / Beilagen:

Arbeitszeugnisse: Sehe ich mir gerne an, aber die Bedeutung von diesen wird immer geringer. Der Arbeitgeber muss ja ein Arbeitszeugnis oder Zwischenzeugnis ausstellen und es muss positiv / wohlwollend sein. Es reicht die letzten 3 Arbeitszeugnisse beizulegen, da muss nicht das Zeugnis des Schulabschlusses dabei sein (Noten sind auch nur bedingt aussagekräftig). Bei neu Abschliessenden kann es das aber, wenn sonst wenig vorhanden ist.

Bei geringer Arbeitserfahrung können auch Nachweise über Aushilfs- oder Nebentätigkeiten angefügt werden.

Sonstige Bescheinigungen: Kurse und Fähigkeitszeugnisse

Referenzen: es ist ein Plus, wenn man als potentieller Arbeitgeber nachfragen kann und Referenzen sind heute wichtiger als Arbeitszeugnisse. Sie bedeuten auch mehr Initiative. Referenzpersonen können sein: ehemalige Chefs, Mitarbeitende, Lehrer, Ausbildner - aus dem beruflichen Umfeld (!). Diese sollten vorher unbedingt gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind, genannt zu werden. Man gibt Referenzen an mit Vor- und Nachnamen, Funktion, Firma, Telefon / Mail.

Social Media: in der Schweiz sagt man, dass fast die Hälfte aller Jobs über Social Media vergeben werden. Damit sind die seriösen Netzwerke wie LinkedIn, Xing und Experteer gemeint, nicht Facebook, Twitter und Instagram! Aber wenn ich in den Bewerbungsunterlagen eine Erwähnung von einer dieser Plattformen finde, gehe ich da durchaus auch nachschauen, wenn ich mehr über die Bewerberin erfahren will.

Merke: an der Bewerbung scheitert die Einstellung heute meist nicht. Eher daran, dass man sich nicht bewirbt...

Bei Pharmama.ch, Juni 2022


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