Zunehmender Lachgas-Konsum in der Schweiz alarmiert Politiker
Von Julien Tinner und Maxime Rérat (Keystone-SDA)
BERN - Der Konsum von Lachgas zu Freizeitzwecken, insbesondere unter Jugendlichen, hat Politiker alarmiert und zu mehreren parlamentarischen Vorstössen geführt. Obwohl die gesundheitlichen Risiken des Konsums erwiesen sind, wollen die Zuständigen auf die Ergebnisse einer Studie warten, die erst 2027 vorliegen.
Von Frankreich über das Vereinigte Königreich bis hin zu den Niederlanden haben zahlreiche europäische Länder in den vergangenen Jahren die Vorschriften in Bezug auf Lachgas verschärft. Die Europäische Kommission hat kürzlich sogar vorgeschlagen, den Verkauf von Lachgasflaschen an die breite Öffentlichkeit ab Februar 2027 zu verbieten.
In der Schweiz hingegen ist Lachgas frei verkäuflich und scheint vor allem bei Jugendlichen immer beliebter zu werden. Zahlen bestätigen den Trend. So nehme beispielsweise die Grösse der vom Schweizer Zoll beschlagnahmten Flaschen zu, räumt Daniel Dauwalder vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein. Diese Flaschen seien für den Freizeitkonsum bestimmt und bereits in einigen Bars und auf Partys in der Schweiz gesichtet worden.
Distickstoffmonoxid (N2O), auch als Lachgas bekannt, ist eine gasförmige Substanz, die in verschiedenen Bereichen zur Anwendung kommt. In der Medizin wird Distickstoffmonoxid seit dem 19. Jahrhundert als Schmerz- und Betäubungsmittel verwendet, in der Autobranche dient es zur Leistungssteigerung des Motors und im kulinarischen Bereich wird es zur Zubereitung von Speisen genutzt (z. B. in Rahmbläsern als Treibgas).
Das Gas ist farblos und hat einen leicht süsslichen Geschmack und Geruch. Inhaliert löst es eine kurz andauernde, intensive psychoaktive Wirkung aus.
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Mehr Beschlagnahmungen beim Zoll
Behörden und Akteure aus dem Präventionsbereich warten auf die Ergebnisse einer Studie zum Lachgas-Konsum bei Jugendlichen, die 2027 vorliegen sollen. Noch gibt es nur wenige Zahlen zu diesem Thema.
Wenn die Mitarbeiter des Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) für bei Kontrollen Mengen an Lachgas von mehr als 5 Kilogramm netto finden, die nicht angemeldet wurden, und es "klare Anzeichen für einen Konsum ausserhalb der zugelassenen Verwendung" gibt, beschlagnahmen sie die Flaschen und informieren die Meldestelle für Chemikalien, die dann das Verfahren weiterführt, sagt Sprecherin Donatella Del Vecchio.
Im Jahr 2024 wurden fünf Beschlagnahmungen vorgenommen. Im vergangenen Jahr waren es zwölf, darunter eine mit 582 Flaschen und einem Gewicht von über 1500 Kilogramm. Das BAG verfügt über keine Zahlen vor Ende 2023.
Der missbräuchliche Konsum von Lachgas zu Freizeitzwecken bleibt nicht ohne Folgen. Auf ihrer Website warnt die Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht Infodrog unter anderem vor Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Hörverlust, Hautkrebs und sogar Tod durch Atemstillstand.
Parlamentarische Vorstösse
Es wurden bereits mehrere parlamentarische Vorstösse eingereicht, um den Bund zum Handeln aufzufordern. Im Februar 2024 antwortete der Bundesrat auf eine Interpellation von Ständerätin Marianne Maret (Mitte/VS), dass er keine neuen spezifischen Massnahmen in Bezug auf Lachgas plane.
Doch im vergangenen Jahr erklärte sich die Landesregierung auf ein Postulat von Nationalrätin Jacqueline de Quattro (FDP/VD) hin bereit, die verfügbaren Daten und die verschiedenen möglichen Lösungen zu prüfen.
Auch wenn die Situation in der Schweiz nicht mit der in anderen europäischen Ländern vergleichbar sei, hätten sich lokal besorgniserregende Entwicklungen ergeben, betont BAG-Sprecher Dauwalder. Dies sei beispielsweise in Basel-Stadt der Fall.
Nach Meinung von Romain Bach von der Gesundheitsförderung Schweiz müssen junge Menschen aufgeklärt werden, damit die Risiken verringert werden. Ausserdem sollte der Zugang zu Lachgas reguliert werden - ohne Verbot -, um die Entstehung eines illegalen Marktes zu verhindern.
Quelle: SDA / Keystone - 22.03.2026, Copyrights Bilder: Adobe Stock/© 2026 Pixabay
