Rektaluntersuchung: Unbrauchbar für die Erkennung von Prostatakrebs (Studie)


Die rektale Untersuchung ist eine gängige Methode zur Erkennung von Prostatakrebs. Aber sie ist möglicherweise nicht präzise genug, um allein als zuverlässiges Screening-Instrument zu dienen. So eine Warnung deutscher Wissenschaftler. Laut der Studie scheint die PSA-Messung - vor allem in Verbindung mit einem MRT - eine weitaus effektivere Screening-Massnahme zu sein.

Rektaluntersuchung

Die rektale Tastuntersuchung wird von medizinischem Fachpersonal wie Urologen häufig eingesetzt, um die Prostata mit einem Finger auf eine ungewöhnliche Schwellung oder einen Knoten im Rektum zu überprüfen. Sie ist Teil einer ersten Kontrolle auf Anzeichen von Prostatakrebs bei Männern. In einigen Ländern, wie z. B. Deutschland, ist dies die einzige Methode, die im Rahmen eines nationalen Programms zur Früherkennung der Krankheit angewandt wird.

Neue Studien

Doch neue Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern der klinischen Studie PROBASE, die am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg koordiniert wird, legen nahe, dass diese Technik viele Krebsarten im Frühstadium übersehen könnte. Die Studie wurde am 8. März 2023 auf dem Jahreskongress der European Association of Urology EAU in Mailand, Italien, vorgestellt. Häufig wird eine auf einem Kongress vorgestellte Studie als vorläufig betrachtet, die Veröffentlichung in einer führenden wissenschaftlichen Zeitschrift erfolgt oft erst Monate später. Diese Ergebnisse könnten Auswirkungen auf die Früherkennung von Prostatakrebs haben, sagen die Forscher. Sie fordern, dass andere Testmethoden im Rahmen der routinemässigen Früherkennung eingesetzt werden.

Unzureichende Empfindlichkeit

«Einer der Hauptgründe für das Prostatakrebs-Screening ist es, den Krebs bei den Patienten so früh wie möglich zu erkennen; dadurch können bessere Behandlungsergebnisse erzielt werden», erklärte Dr. Agne Krilaviciute, Wissenschaftlerin am DKFZ und Hauptautorin der Studie. «Aber unsere Studie legt nahe, dass die rektale Untersuchung einfach nicht empfindlich genug ist, um diese Krebsarten in einem frühen Stadium zu erkennen».

Männer im Alter von 45 Jahren

Die PROBASE-Studie ist eine deutsche multizentrische Studie zur Früherkennung von Prostatakrebs. Sie wurde an vier Universitätsstandorten (TU München, Hannover, Heidelberg, Düsseldorf) durchgeführt. 46'495 zwischen 2014 und 2019 rekrutierte Männer im Alter von 45 Jahren haben daran teilgenommen. Die Männer wurden anschliessend weiter beobachtet, um ihren Gesundheitszustand in den Jahren nach dem Screening zu beurteilen. Der Hälfte der Studienteilnehmer wurde im Alter von 45 Jahren sofort ein Bluttest auf das prostataspezifische Antigen oder PSA angeboten. Der anderen Hälfte wurde im Alter von 50 Jahren eine rektale Untersuchung mit einem verzögerten PSA-Screening angeboten.

PSA, bessere Resultate

Im Endeffekt unterzogen sich 6.537 Männer aus der Gruppe mit verzögertem Screening einer rektalen Untersuchung und nur 57 von ihnen wurden aufgrund verdächtiger Ergebnisse an eine Nachfolgebiopsie verwiesen. Nur bei drei von ihnen wurde Krebs entdeckt. Im Vergleich zu den Entdeckungsraten, die mit anderen Methoden wie dem PSA-Test erzielt wurden, war die Entdeckungsrate bei der rektalen Untersuchung deutlich niedriger, erklärt Dr. Krilaviciute. «Die rektale Untersuchung ergab in 99 % der Fälle ein negatives Ergebnis und selbst Patienten, die als verdächtig galten, hatten eine niedrige Entdeckungsrate», erklärt Dr. Krilaviciute. «Die Ergebnisse der PROBASE-Studie zeigen, dass durch die Bestimmung des PSA-Werts im Alter von 45 Jahren viermal mehr Prostatakrebs entdeckt werden kann.»

Erkennung mit dem Finger schwierig

Einer der Gründe, warum die rektale Untersuchung vor allem bei jungen Männern Krebserkrankungen nicht sicher feststellen könnte, darin liegt, dass die Veränderungen im Prostatagewebe möglicherweise zu leicht sind, um mit dem Finger erkannt zu werden. Ausserdem treten einige Krebserkrankungen in einem Teil der Prostata auf, der mit dem Finger nicht leicht zugänglich ist.

«Ein Krebs im Frühstadium hat möglicherweise nicht die Grösse und Steifigkeit, um ertastbar zu sein», erläutert Professor Peter Albers, Urologe an der Universität Düsseldorf und Hauptautor der Studie.

MRT

«Eine separate Analyse, bei der MRT vor Biopsien zur Lokalisierung von Prostatakrebs eingesetzt wurde, ergab, dass etwa 80 % der Krebserkrankungen in einem Bereich lagen, der mit einem Finger leicht zu erreichen sein sollte, und dass die Krebserkrankungen trotzdem nicht durch rektale Untersuchung sicher erkannt werden konnten. Die Forscher fordern nun, dass der PSA-Test und die MRT im Rahmen von Screening-Programmen generell anstelle der rektalen Untersuchung eingesetzt werden.

Rektaluntersuchung ist de facto wenig erfolgreich

«Wenn das Ziel eines Screening-Programms darin besteht, Krebs so früh wie möglich zu erkennen, und das aktuelle Screening-Instrument dies nicht schafft, dann handelt es sich um ein grundsätzliches Versagen dieses Ansatzes», erklärte Professor Albers. «In unserem Artikel gehen wir davon aus, dass die rektale Untersuchung nicht nur bei der Erkennung von Krebs wenig hilfreich ist, sondern auch einer der Gründe sein könnte, warum die Menschen nicht zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Vermutlich schreckt die Untersuchung viele Männer ab».

«In Deutschland liegt die Teilnahmequote am Früherkennungsprogramm für Männer zwischen 45 und 50 Jahren beispielsweise bei unter 20 %. Wenn wir stattdessen einen PSA-Test anbieten würden, würden sich vielleicht mehr von ihnen bereit erklären zu kommen».

Studie aus dem Jahr 2016

Eine Studie, die 2016 in der Zeitschrift Current Medical Research and Opinion (DOI: 10.1080/03007995.2016.1198312) veröffentlicht wurde, hatte sich bereits damals kritisch zur rektalen Untersuchung geäussert. Laut den Autoren der Studie, Wissenschaftler des Wake Forest Baptist Medical Center in den USA, erweist sich die PSA-Messung bei der Identifizierung dieses Krebses als zuverlässiger als die rektale Untersuchung. Sie weisen auch darauf hin, dass bei einer ärztlichen PSA-Messung eine rektale Untersuchung nicht empfohlen wird.

9. März 2023. Quelle: Pressemitteilung der Studie auf Englisch (via EurekAlert.org). Übersetzt und angepasst von Xavier Gruffat (Apotheker).

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