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Interview mit Prof. Dr. Kurt Hostettmann

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interview Prof. HostettmannProf. Hostettmann ist in der Schweiz und auch weltweit im Gebiet der Phytotherapie eine wichtige Persönlichkeit. Er hat uns ein grosses Interview zu einem Thema gewährt, das immer mehr Menschen interessiert, was der grosse Erfolg seiner Bücher unterstreicht. Prof. Hostettmann hat Tausende von Büchern im Gebiet der Phytotherapie verkauft. Er unterstreicht auch stets die Wichtigkeit der Offizinapotheker und schreibt ihm eine Schlüsselrolle, für die gute Beratung des Patienten, zu.

Pharmapro.ch: Herr Prof. Hostettmann, Sie sind eine grosse Referenz in der Welt der Phytotherapie, mit vielen Betätigungen und wissenschaftlichen Publikationen rund um die Welt. Was sind Ihre aktuellen Projekte?
Prof. Hostettmann: Da ich seit nun fast 4 Jahren pensioniert bin, verfüge ich über keine Labors und Forschungsgruppen mehr, wie das früher der Fall war. Daher widme ich mich ausschliesslich dem Unterrichten und der Redaktion der Bücher. Ich unterrichte im Ausland, insbesondere in China, Thailand und Südafrika. In der Schweiz gebe ich regelmässig Fortbildungskurse für Apotheker und Mediziner. Aber viel Zeit investiere ich in grosse Konferenzen für das breite Publikum und in Kurse für Menschen ab 60 Jahren, die die „Senioren-Universität“ besuchen. Einige Bücher sind zurzeit in Redaktion, ein riesiges Werk in Englisch, das von verschiedenen Autoren über die Technik der Pflanzenanalyse verfasst wurde. Ich organisiere auch Kongresse im Ausland für die Internationale Organisation (IOCD): der nächste findet in Panama statt. Schlussendlich bin ich im Rahmen der Stiftung Gentiana, das ich präsidiere, beim Heilpflanzengarten in Leysin (Waadt) angestellt. Zurzeit kreieren wir ein neues Teilgebiet der Anti-Aging-Pflanzen.

Eine neue Studie hat gezeigt, dass z.B. Cranberry (Moosbeere) zur Vorbeugung einer Zystitis nicht wirksamer sei, als ein beliebiger anderer Saft. Eine andere Studie war sehr kritisch gegenüber der Wirkung von Ginkgo. Wenn man wissenschaftlich perfekt arbeiten will oder es zumindest anstrebt, muss man oft angebliche Wirkungen von Pflanzen abschreiben?
Die Phytotherapie hat auch Feinde in der medizinischen und wissenschaftlichen Welt, da es manchmal nicht leicht ist, den Wirkmechanismus zu erklären. Für ein Medikament (ein synthetisiertes), das nur einen einzelnen Wirkstoff enthält, ist es relativ einfach, den Wirkmechanismus zu verstehen: z.B. die Wirkung eines Wirkstoffes auf einen Rezeptor gemäss dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Ein Auszug aus einer Pflanze, der in der Phytotherapie verwendet wird, enthält Hunderte von verschiedenen Substanzen. Und manchmal gibt es sogar Gemische aus mehreren Pflanzen (Ayurvedische, chinesische oder tibetische Medizin). Man muss sich folglich auf die klinischen Studien verlassen. Für die grossfruchtige Moosbeere und Ginkgo gibt es tatsächlich Publikationen mit widersprüchlichen Resultaten, aber die positiven Artikel bleiben in Überzahl. Für die grossfruchtige Moosbeere gibt es auch positive Aussagen von Patienten und Mediziner. Der Ginkgo wurde viel mehr studiert als die Moosbeere und es gibt wirklich Publikationen, die eine Wirksamkeit zeigen. Daher wurde es auch bei Swissmedic als Medikament registriert, was bei der Moosbeere nicht der Fall ist. Trotz der negativen Kritiken von gewissen Menschen bezüglich der Pflanzen, werde ich sie weiterhin empfehlen.

Wenn wir auf diesem Gebiet bleiben: der Ginkgo ist für gewisse Industrielle, die diese Pflanze kommerzialisieren (vor allem zur Vorbeugung von Demenzen wie Alzheimer), ein grosser Markt. Eine sehr kritische Studie könnte daher diese Verkäufe stark reduzieren. Es muss nicht immer einfach sein, eine kritische Studie zu publizieren. Verspürt man da einen Druck?
Ich denke nicht, dass es Druck auf die Forscher gibt, die negative Artikel über Ginkgo publizieren, obwohl der Umsatz mit Ginkgo weltweit 4 Milliarden US-Dollar übersteigt. Manche Kritiken helfen den konkurrierenden, synthetisierten Medikamenten. Es ist wahr, dass Wissenschaftler manchmal ihre Resultate verschönern und übertreiben: Die Universitäten, um mehr Forschungsgelder zu erhalten und die Industrie, um besser zu verkaufen!

Wenn man von Forschung spricht: es gibt weltweit wahrscheinlich Tausende von Medizinalpflanzen, vielleicht sogar Zehntausende. Es gibt weltweit maximal einige Hundert qualitativ hochstehender Phytotherapie Institute, dessen Ressourcen oft eingeschränkt sind. Es bräuchte unglaublich viel Zeit, um alle diese Pflanzen zu analysieren, vor allem für klinische Studien?
Das Pflanzenreich bleibt ein noch wenig erforschtes Reservoir für die Entdeckung neuer Medikamente. Man müsste die Kredite für die Forschung in der Phytochemie und Phytotherapie stark erhöhen. Aber die Forscher müssen eine gute Auswahl der Pflanzen, die uns die Natur anbietet, treffen. Vor allem auf Basis der Daten aus der traditionellen Medizin.

Man sieht bei Frau Michelle Obama, die die Konsumation von Früchten und Gemüsen in den USA fördern will, dass die Ernährung weltweit ein immer wichtigeres Thema wird. Konkret: Wenn man eine Pflanze wie die Rübe nimmt, ist diese gleichzeitig ein Nahrungsmittel und eine Heilpflanze. Wie sehen Sie die Verbindung zwischen Ernährung und Phytotherapie? Sollten diese zwei Gebiete fusionieren?
Die Ernährung, und vor allem die ausgewogene und gesunde Ernährung auf Basis von Früchten und Gemüsen, ist in erster Linie in der Prävention von Krankheiten wichtig. Allerdings weniger für die Heilung, ausgenommen in seltenen Fällen.

Es ist sowieso alles Chemie, in der Ernährung und in der Phytotherapie! Es gibt keinen Grund, die beiden zu fusionieren. Noch etwas anderes: man spricht so viel von Antioxidantien und dass man sie in grossen Mengen einnehmen muss, um Krebs zu verhindern oder die Alterung zu stoppen. Jedoch gibt es aktuelle Arbeiten, die darauf hinweisen könnten, dass eine übermässige Einnahme von Antioxidantien, einen pro-oxidierenden Effekt haben könnten und dadurch die Alterung und die Entwicklung von Krebs fördern könnten. Im amerikanischen Magazin „ New Scientist“ vom 19.März 2013, hat James Watson, der den Nobelpreis der Medizin für die Entdeckung der DNA-Struktur erhalten hat, folgende Frage gestellt: Fördern Antioxidantien Krebs? Darüber sollte man nachdenken…!

Sie haben in China wichtige oder zumindest sehr ehrenvolle Funktionen. Man weiss, dass in diesem und anderen Ländern, die traditionelle chinesische Medizin ebenfalls eine sehr wichtige Rolle spielt. Ein Teil dieser Medizin basiert auf Pflanzen. Ist diese Medizin für Sie persönlich wissenschaftlich belegt oder eher eine Volksmedizin (ohne Studien bezüglich Qualität)?
Die traditionelle chinesische Medizin hat uns bereits viel gebracht und wird dies auch in Zukunft noch tun. In China gibt es viele Forschungsinstitute, die die Pflanzen der traditionellen Pharmakopoe studieren, um aktive Substanzen zu finden und ihren Wirkungsmechanismus zu erklären. Dies führt zu einer wissenschaftlicheren und rationaleren Phytotherapie.

Wenn man mit der Bevölkerung spricht, bemerkt man, dass für sie Phytotherapie und Homöopathie zwei parallele Gebiete sind, die sich sehr nahe stehen. Es scheint mir jedoch, dass es grosse Unterschiede gibt, vor allem chemische und fast philosophische. Bestätigen Sie dies?
Die Phytotherapie und die Homöopathie sind beides Teile der Komplementärmedizin, unterscheiden sich aber sehr stark.

In den schweizerischen, pharmazeutischen Fakultäten (oder französischen), ist die Phytotherapie weit entwickelt und der Unterricht von grosser Qualität. Man findet dort die meisten Forschungsinstitute der Phytotherapie. Allerdings ignoriert der Grossteil der Bevölkerung manchmal die grossen Kenntnisse und die Leidenschaft der Apotheker für dieses Gebiet (inkl. der ätherischen Öle). Wie können wir unsere Kompetenzen bekannter machen?
Der Apotheker bleibt durch seine universitäre Ausbildung der Spezialist der Phytotherapie. Man müsste auch Phytotherapiekurse in den medizinischen Fakultäten einführen. Diese Kurse sind leider immer noch sehr selten! Man müsste das Bild des Apothekers wirklich noch verbessern, der für viele Leute immer noch der einfache „Pillenverkäufer“ ist. Aber die Berufsverbände unternehmen grosse Bemühungen, um das Image dieses wichtigen Gesundheitsberufes zu verbessern. Es gibt seit kurzem auch Ernährungskurse in den pharmazeutischen Fakultäten.

Eine Ihrer Aktivitäten ist die Publikation von Büchern für das breite Publikum. Sie haben in den letzten Jahren viele Tausende Bücher verkauft. Wie der Amerikaner sagen würde, war das Ziel solcher Bücher, die Gesellschaft für die Phytotherapie und Heilpflanzen zu „evangelisieren“? Ein grosser Professor wie Sie, hat wahrscheinlich keine finanziellen Interessen, um solche Bücher zu veröffentlichen. Ich stelle mir vor, dass die Motivation eher eine wahre Leidenschaft zu kommunizieren ist. Kennen Sie Ihren Lesertyp?
Bücher für das breite Publikum zu schreiben, die auf dem Markt günstig bleiben müssen, ist keine wichtige, lukrative Arbeit. Es ist eine Leidenschaft zu kommunizieren, was man während der Professur in der Universität während 30 Jahren gelernt hat. Das Ziel ist nicht zu „evangelisieren“, aber zu zeigen, dass mit Heilpflanzen viele Leiden gelindert werden können, mit relativ wenigen Nebenwirkungen. Man muss jedoch auch zeigen, dass Pflanzen gefährlich sein können (Nebenwirkungen, Interaktionen mit anderen Medikamenten). Warnungen bezüglich der Selbstmedikation sind ebenfalls in vielen Fällen angebracht. Unter den Lesern sind viele Frauen, ältere Menschen, gestresste Menschen und Junge, die natürliche Lösungen suchen, um gesund zu bleiben.

Das Interview für die französische Version von pharmapro.ch, wurde durch Xavier Gruffat (Apotheker) realisiert, im April 2013

Interviews von weiteren Apothekern:
- Michel Buchmann, Apotheker und Präsident der FIP
- Pascal Bonnabry, Chef-Apotheke HUG und Professor für Pharmazeutische Wissenschaften







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