Neue Migräne-Prophylaxe birgt Risiken bei Bluthochdruck


ZÜRICH - Seit kurzem sind sogenannte alphaCGRP-Blocker als Migräne-Prophylaxe im Einsatz. Eine Studie der Uni Zürich weist nun jedoch darauf hin, dass die langfristige Einnahme für Patienten mit Bluthochdruck riskant sein könnte.

Die neuen Medikamente zur Vorbeugung von Migräne-Anfällen hemmen ein Neuropeptid namens "alpha Calcitonin Gene-Related Peptide" (alphaCGRP). Forschende um Johannes Vogel von der Universität Zürich haben jedoch festgestellt, dass beim Einsatz dieser neuen Migräne-Prophylaxe Vorsicht geboten ist: Während seine Wirkung in den Hirnhäuten zu Migräneattacken führen kann, wirkt es bei körperlicher Aktivität positiv auf das Herz und schützt vor den Folgen von Bluthochdruck.

Diese Janusköpfigkeit stellten die Forschenden bei Versuchen mit Mäusen fest. Weil das Neuropeptid aber beim Mensch sehr ähnlich aussieht, seien die Ergebnisse auch für Menschen relevant, hielt die Uni Zürich in einer Mitteilung fest.

Bereits vor mehr als zwanzig Jahren stellten Forschende fest, dass alphaCGRP eine wichtige Rolle bei Migräne spielt. Das Neuropeptid wird von Nervenzellen ausgeschüttet und wirkt einerseits in unmittelbarer Umgebung, andererseits verteilt es sich auch übers Blut.

Am einen Ort schlecht, am andern gut

In den Hirnhäuten löst es Entzündungsreaktionen aus und erweitert die Blutgefässe, was Migräne auslösen kann. AlphaCGRP entsteht aber auch in arbeitender Skelettmuskulatur und erreicht über das Blut das Herz. Dort hemmt es jene krankmachenden Veränderungen des Herzens, die durch chronischen Bluthochdruck entstehen. "Körperliche Aktivität und Sport erhöhen den Blutplasmaspiegel von alphaCGRP, was sich bei erhöhtem Blutdruck positiv auf das Herz auswirkt", liess sich Vogel in der Mitteilung zitieren.

Die positive Wirkung von Kardiotraining aufs Herz hängt somit zentral mit diesem Neuropeptid zusammen, stellten die Forschenden fest. Für ihre Studie untersuchten sie gesunde Mäuse und solche mit chronischem Bluthochdruck, die entweder passiv waren oder immer wieder freiwillig im Laufrad liefen. Eine normale alphaCGRP-Konzentrationen im Blut ist dabei überlebenswichtig, und das Neuropeptid schützt das Herz auch unabhängig von seiner in höherer Dosis blutdrucksenkenden Wirkung.

Lebensbedrohliche Langzeitwirkung

Zum einen wäre dies ein neuer Ansatz, um Bluthochdruck bei Patienten zu behandeln, die nur wenig körperlich aktiv sein können. Zum anderen warnen die Forschenden vor möglichen Langzeitwirkungen der Migräne-Prophylaxe, die nicht nur Migräneattacken vorbeigt, sondern auch die schützende Wirkung von alphaCGRP hemmt. Bei den Mäusen führte die langfristige Verabreichung von alphaCGRP-Blockern zu lebensbedrohlichen Störungen der Herzfunktion, schrieb die Uni Zürich.

Daher sollte diese Migräne-Prophylaxe nicht bei chronischem Bluthochdruck zum Einsatz kommen, betonte Vogel. Und auch bei den anderen Patienten sollte der Blutdruck regelmässig überwacht werden.

Notiz:

Fachartikelnummer - DOI: 10.1161/CIRCRESAHA.119.315429

Quelle: SDA / Keystone - 27.11.2019, Copyrights Bilder: Adobe Stock

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