HIV-PrEP und Doxy-PEP: Aktuelle Empfehlungen für die Praxis in der Schweiz
ZÜRICH - Die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist heute ein zentraler Bestandteil der HIV-Prävention. Sie besteht aus einer antiretroviralen Medikation, die bei korrekter Einnahme zuverlässig vor einer HIV-Infektion schützt. In der Schweiz wird die PrEP seit 2024 unter bestimmten Bedingungen von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen und richtet sich an Personen mit erhöhtem HIV-Risiko. Wichtig bleibt: PrEP schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) – regelmässige Testungen und Beratung sind essenziell.
Die aktuellen «SwissPrEPared Guidance» (2025) konkretisieren die Anwendung im klinischen Alltag und betonen insbesondere strukturierte Betreuung, regelmässige Kontrollen (bei täglicher PrEP-Einnahme alle 3 Monate, bei GelegenheitsPrEP je nach individuellem Risiko alle 3–6 Monate) sowie eine individualisierte Risikoeinschätzung.
Neu in den Schweizer Empfehlungen (EKSI/BAG, 2026) ist die Einordnung der Doxy-PEP (Doxycyclin als Postexpositionsprophylaxe gegen bakterielle sexuell übertragbare Infektionen (STI)). Dabei wird eine Einzeldosis von 200 mg Doxycyclin nach Risikokontakt eingesetzt, um insbesondere Infektionen mit Chlamydien und Syphilis zu reduzieren. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht für alle Erreger gegeben (z. B. eingeschränkt bei Gonorrhoe), und Doxy-PEP bietet keinen Schutz vor viralen Infektionen wie HIV oder Hepatitis.
Doxycyclin ist in der Schweiz nicht zur Prävention von STIs zugelassen und kann lediglich als Off-label Anwendung verschrieben werden. Die Kosten der Doxy-PEP müssen von den Anwender:innen selbst getragen werden.
Die neuen Empfehlungen betonen einen zurückhaltenden, gezielten Einsatz von Doxy-PEP, insbesondere im Kontext steigender Antibiotikaresistenzen und noch limitierter Evidenz. Eine sorgfältige Indikationsstellung sowie die Einbettung in ein umfassendes STI-Präventionskonzept sind entscheidend.
Für die Offizin bedeutet dies: Die Beratung rund um Safer Sex, PrEP, STI-Screening und neue Strategien wie Doxy-PEP wird zunehmend komplexer – gleichzeitig aber auch zentral für eine wirksame Prävention.
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Quellen:
- BAG / EKSI: Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für Fragen zu sexuell übertragbaren Infektionen (EKSI) zum Einsatz von Doxycyclin als Postexpositionsprophylaxe gegen sexuell übertragbare Infektionen (Doxy-PEP) in der Schweiz, 19.03.2026
- SwissPrEPared Guidance, 2025
- SwissPrEPared Guidance, 2025
- Aids-Hilfe Schweiz: Antibiotic PEP against bacterial STIs