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Medikamentenvergiftung bei Kindern

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Medikamente auf Sichthöhe der Kinder, Achtung Gefahr!

Haushaltsunfälle sind sehr häufig; dies ist allseits bekannt. Die Neugier der Kinder lässt sie die Medikamente anfassen und probieren! Haushaltsprodukte, Arbeitsgeräte und Medikamente sollten also ausser Reichweite gelagert werden. Aber im täglichen Leben ist es schwierig, an alles gleichzeitig zu denken. Der Stress, die schlaflosen Nächte, die Krankheiten, die Arbeit und die verschiedenen Termine vermindern unsere Wachsamkeit.

In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf Medikamente, die für Vergiftungen bei Kindern verantwortlich sind (mehr als 4'000 Fälle pro Jahr). Wir werden sehen, welche Medikamente am gefährlichsten sind und welches die zu ergreifenden Massnahmen bei einer Intoxikation sind.

Bei kleinen Kindern sind gewisse Medikamentenklassen gefährlicher als andere: Die Einnahme von einer oder zwei Tabletten dieser bekannten Medikamente, kann bereits tödlich sein (gemäss dem “Journal of Emergency Medicine“). Dies sind insbesondere die folgenden Wirkstoffe:

- Clonidin
- Imidazol
- Atropin
- Kampfer
- Methylsalicylat
- Quinin
- Clozapin
- Olanzapin
- Chloroquin, Hydroxychloroquin

Ebenfalls gefährlich sind Medikamente aus den folgenden therapeutischen Klassen:

- Opiate
- Sulfonylharnstoffe
- Betablocker
- Calciumantagonisten
- Trizyklische Antidepressiva
- Lokale Anästhetika

Natürlich sollte man die anderen Medikamente nicht verharmlosen und vernachlässigen. Man sollte einfach bei den oben genannten Medikamenten noch etwas aufmerksamer sein.

Es ist bei einer Vergiftung sehr wichtig, möglichst schnell das Tox-Zentrum unter der Nummer 145 anzurufen und die folgenden wichtigsten Informationen zu geben:

- Art und Dosis des eingenommenen Schadstoffes (man muss also den Medikamentennamen und die Menge kennen)
- Einnahmezeitpunkt
- Alter des Kindes
- Mögliche vorgängige Erkrankungen

Diese Angaben erlauben dem Spezialisten, Sie in den zu ergreifenden Massnahmen zu instruieren. Diese kompetente Person wird Ihnen sagen, ob Sie in der nächsten Apotheke Aktivkohle kaufen sollten oder Sie für eine Überwachung oder Magenspülung in die Notaufnahme gehen sollten. Alles hängt vom eingenommenen Medikament, der Latenzzeit zwischen der Einnahme und dem Anruf und von dem Schweregrad der Vergiftung ab.

Vier Etappen bei einer Vergiftung

Die wichtigsten Grundsätze bei der Betreuung der Medikamentenvergiftung verlaufen in 4 Etappen:

- Die Vitalfunktionen sicherstellen (Atmung, Zirkulation, renale und hepatische Funktion)
- Die Absorption stoppen; dies ist die 1. Dekontaminierung (Aktivkohle)
- Beschleunigte Ausscheidung; dies ist die 2. Dekontaminierung (gastrische Spülung und/oder Hämodialyse und/oder Alkalisierung des Urins)
- Spezifische Behandlung (wenn es ein Antidot gibt)

Man gibt 1g/kg Körpergewicht, also ca. 10-15g beim Kleinkind bzw. 60-80g bei einer erwachsenen Person (als Pulver oder Sirup) in den ersten zwei Stunden nach der Medikamentenvergiftung; dies sind nur Richtwerte; fragen Sie eine medizinische Fachperson. Dies gilt für eine grosse Anzahl von Schadstoffen. Um die Einnahme der Aktivkohle für die Kinder zu erleichtern, ist es möglich, sie in Coca-Cola zu lösen, um die abstossende Farbe der Kohle zu maskieren. Es ist ebenfalls möglich, es mit einem Joghurt einzunehmen.

Die Magenspülung ist in der ersten Stunde wichtig, wenn der Schadstoff von der Aktivkohle nicht gebunden oder durch kein Antidot deaktiviert werden kann. Die Magenspülung wird vor allem bei schweren Vergiftungen durchgeführt.

Zuletzt werden wir auf die Antidota eingehen. Gewisse Antidota werden in den Apotheken gelagert.

Provoziertes Erbrechen wird nicht mehr empfohlen.

Das folgende Sprichwort sagt es richtig: «Besser vorbeugen als heilen». Deshalb geben wir Ihnen nachfolgend einige Ratschläge, um Medikamentenvergiftungen bei Kindern zu vermeiden:

1. Lassen Sie auf dem Tisch keine Medikamente liegen. Lagern Sie sie ausser Reichweite (wenn möglich in einem verschlossenen Apothekenschrank).
2. Man muss sich dem Kind anpassen: es kann heute vielleicht etwas erreichen, das es gestern noch nicht konnte!
3. Auf der Hut vor den Haushalten von Angehörigen sein, wenn man nicht weiss, wo sich  die Medikamente befinden.
4. Medikamente sind keine Süßigkeiten. Erklären Sie dies Ihren Kindern.
5. Erklären Sie Ihren Kindern, wofür Medikamente dienen: einige senken das Fieber, andere helfen zu schlafen, usw. Je besser sie es verstehen, desto weniger wollen sie damit spielen.
6. Wenn Sie ein Doset gerüstet haben, sollten Sie eines wählen, das einen Kinderschutz enthält, damit sie es nicht öffnen können.
7. Nehmen Sie die Medikamente nicht vor den Augen der Kinder ein, da sie durch Nachahmung Lust bekommen, dasselbe zu tun.
8. Präventionskampagnen sollten bei Eltern regelmässig durchgeführt werden. Mögliche Kanäle: Kinderärzte, Apotheker.

Das Tox-Zentrum hat für Kinder ein Spiel entwickelt, mit dem sie die Gefahren, die im Haushalt lauern und die verschiedenen Schadstoffe kennenlernen können. Dies kann den Eltern ebenfalls Ideen bezüglich der Prävention geben. Informationen zum Spiel: Klicken Sie hier...

Als Schlussfolgerung: eine gute Prävention und eine gute Information über die Abläufe bei einer Vergiftung, helfen die Anzahl der Fälle und den Schweregrad zu verringern. Ihr Apotheker, der Spezialist für Medikamente, spielt eine Schlüsselrolle in der Prävention und der Betreuung einer Medikamentenvergiftung. Zögern Sie nicht, ihn zu fragen.

 

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Von Van Nguyen, Apothekerin. Mai 2014







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