Das "Spital zu Hause" wird in der Deutschschweiz immer beliebter


ZÜRICH - Eine umfassende Pflege zu Hause - ähnlich wie im Spital - wird immer beliebter. Einige Deutschschweizer Kantone haben bereits Dienste für die stationäre Pflege in den eigenen vier Wänden eingeführt. Auch in der Westschweiz kommt Bewegung in die Sache.

Es geht bei diesem Vorhaben darum, spezialisierte medizinische Behandlung und Pflege zu Hause zu erhalten, die äquivalent zu einer Spitalbehandlung ist. So zum Beispiel im Fall einer 73-jährigen Frau mit einer chronischen Lungenerkrankung, die mit einer Lungenentzündung in die Notaufnahme eingeliefert wird. Nach der Erstversorgung befürchtet sie, im Spital bleiben zu müssen. Doch man schlägt ihr vor, ihr Medikamente mitzugeben und ein Sauerstoffgerät und eine Fernüberwachung bei ihr zu Hause zu installieren.

In den folgenden Tagen habe sie einmal täglich ein Arzt und zweimal eine Pflegefachperson besucht, berichtet die Patientin auf der Website der Swiss Hospital at Home Society (SHaHS). Die 2023 gegründete Dachorganisation mit Sitz in Dornach BL möchte die stationäre Behandlung zu Hause in der Schweiz etablieren. Studien zeigten, dass die Genesung in gewohnter Umgebung das Risiko von Komplikationen verringere und die Genesung beschleunige, so die Organisation.

Als Ergänzung zur klassischen Spitex ersetzt dieses Angebot den akuten Spitalaufenthalt. Vor allem aber bietet dieses Modell, das im Ausland bereits etabliert ist und durch die Covid-19-Pandemie einen Schub erhalten hat, Antworten auf Herausforderungen wie die alternde Bevölkerung, Bettenknappheit und explodierende Kosten.


Zürich hat Vorreiterrolle

Das Konzept ermögliche es Patienten, zu Hause oder in einem Pflegeheim eine Behandlung zu erhalten, die derjenigen im Spital gleichwertig sei, erklärt Elisa Heising, Co-Präsidentin der SHaHS, gegenüber Keystone-SDA. Es handle sich aber weder um Operationen noch um Intensivpflege zu Hause.

Den verfügbaren Zahlen zufolge haben im Kanton Zürich bereits rund 750 Personen und in Basel-Landschaft 500 Personen davon profitiert. Das Spital Zollikerberg ZH leistete bereits 2021 Pionierarbeit, gefolgt von anderen Anbietern wie der Klinik Arlesheim BL im Jahr 2023 und dem Kantonsspital Basel-Landschaft im Jahr 2025.

Im Jura und im Berner Jura führte das Réseau de l'Arc diesen Dienst Ende 2023 ebenfalls ein. Als jüngster Nachahmer startete das Kantonsspital Graubünden in Chur im März ein zweijähriges Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit einem Versicherer. Es richtet sich an Versicherte, die in der Nähe des Hauptorts wohnen.

Grenzen des Konzepts

Der Mangel an qualifiziertem Personal sei für die meisten Programme kein Problem, betont die SHaHS. Neue Versorgungsmodelle ziehen laut der Organisation sogar zahlreiche Fachkräfte an, die wieder im Gesundheitswesen arbeiten.

So attraktiv das Konzept auch ist, hat es doch seine Grenzen: Die Patienten müssen beispielsweise einen stabilen Gesundheitszustand aufweisen oder in der Nähe des Spitals wohnen. Das grösste Hindernis bleibe jedoch der Mangel an regelmässiger Finanzierung, betont Heising, die selbst Ärztin am Spital Zollikerberg ist.

Die Versicherer verfolgten die verschiedenen in der Schweiz getesteten Initiativen mit Interesse, sagt Christophe Kaempf, Sprecher des Krankenkassen-Verbands prio.swiss. Leistungen, die zu Hause erbracht werden, werden in der Regel nach den ambulanten Tarifen abgerechnet, da die Voraussetzungen für einen Spitalaufenthalt im gesetzlichen Sinne nicht unbedingt erfüllt sind.

Die aktuellen Projekte basieren auf gemischten Modellen, bei denen sich Versicherer und andere Akteure wie Kantone oder Stiftungen die Kosten teilen. Dabei geht es jedoch noch um Pilotprojekte.

Bewegung in der Romandie

Zwar hat die Deutschschweiz einen Vorsprung, doch auch in der Westschweiz gewinnt die Bewegung an Fahrt. Im Wallis sieht ein im September 2025 initiiertes Projekt eine Machbarkeitsstudie für den kommenden Herbst vor, wie die Walliser Behörden gegenüber Keystone-SDA bestätigen. Im Kanton Waadt bereitet das Universitätsspital Lausanne (CHUV) ebenfalls ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Spitex im Rahmen des Programms "Vieillir 2030" vor.

In der Zwischenzeit hat das CHUV seit Beginn der Pandemie, ähnlich wie das Universitätsspital in Genf, eine App eingeführt, um die Fernbetreuung nach der Entlassung aus dem Spital sicherzustellen. Dieses System hilft, Besuche in der Notaufnahme und erneute Spitalaufenthalte zu vermeiden.

Von Béatrice Koncilja-Sartorius, Keystone-SDA

Quelle: SDA / Keystone - 05.04.2026, Copyrights Bilder: Adobe Stock/© 2026 Pixabay

Gesucht

Apotheker/in in Zürich

Letzte News

Newsletter