Praktische Tipps, um den Abbruch einer Statintherapie zu vermeiden (Adhärenz)


Es ist bekannt, dass Statine, genau wie andere Medikamente, die zur Senkung des Anteils von schädlichem Cholesterin (LDL) im Blut eingesetzt werden, das Risiko von Myokardinfarkten, Schlaganfällen und anderen potenziell tödlichen Erkrankungen deutlich senken. Diese Medikamente sind vor allem in der Sekundärprävention sehr effektiv, d. h. wenn in der Vergangenheit bereits ein kardiovaskuläres Ereignis aufgetreten ist. Trotz neuer Therapieansätze sind und bleiben Statine für die Mehrheit der Betroffenen, die eine lipidsenkende Therapie benötigen, das Mittel der Wahl. Obwohl die eindeutige Wirksamkeit von Statinen belegt ist, brechen jedoch viele Betroffene die entsprechende Therapie schon nach wenigen Monaten ab. Ein Newsletter-Artikel der Harvard Medical School in den USA vom Januar 2022 kommt zu der Einschätzung, dass 25 % bis 50 % der Personen, die mit Statinen behandelt werden, die Behandlung nach einem 1 Jahr ohne medizinischen Grund abbrechen. Dabei müssen Statine häufig lebenslang eingenommen werden. Im medizinischen Fachjargon spricht man von schlechter Adhärenz, wenn ein Medikament nicht verordnungsgemäss eingenommen wird. Die am häufigsten eingesetzten Statine sind Atorvastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin. Hier einige Tipps, die dazu beitragen können, eine entsprechende Therapie nicht ohne medizinischen Grund abzubrechen.       

Muskelschmerzen, eine seltene Nebenwirkung

Einige Patientinnen und Patienten setzen ihre Statine aufgrund von muskulären Nebenwirkungen ab. Tatsächlich berichten laut einer im Juli 2017 in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine (DOI: 10.7326/M16-0838) veröffentlichten Studie ca. 20 % aller Personen, die mit Statinen behandelt werden, über Nebenwirkungen, meist muskulärer Art. Von allen Personen, die diese Nebenwirkungen angaben, brach rund ein Drittel die Statinbehandlung ab, woraufhin das Mortalitätsrisiko sowie die Gefahr, einen Schlaganfall oder einen Myokardinfarkt zu erleiden, in den 4 Jahren nach Therapieabbruch im Vergleich zu den Personen, die weiterhin Statine einnahmen, um 13 % anstieg. Im Rahmen der Studie wurde eine Analyse von 28’266 Patientinnen und Patienten durchgeführt, die im Zusammenhang mit einer Statineinnahme über Nebenwirkungen berichtet hatten. Die entsprechenden Personen stammten aus 2 Krankenhäusern in Boston (USA). Die Studie wurde zwischen 2000 und 2011 durchgeführt.     

Man geht im Übrigen davon aus, dass die meisten muskulären Nebenwirkungen fiktiver Natur sind. Man spricht in diesem Fall auch von einem «Nocebo»-Effekt. So konnte beispielsweise in einer randomisierten Studie, die am 21. September 2021 in der Fachzeitschrift des American College of Cardiology veröffentlicht wurde (DOI: 10.1016/j.jacc.2021.07.022), nachgewiesen werden, dass 5 % der mit Statinen behandelten Personen tatsächlich unter muskulären Nebenwirkungen litten, dass allerdings auch 10 % über muskuläre Nebenwirkungen klagten, obwohl sie ein Placebo einnahmen. Aus diesem Grund spricht man von «Nocebo»-Effekt, also einem negativen Placebo-Effekt.  

In einem Artikel vom April 2019 geht der Newsletter Wellness der University of California, Berkeley sogar noch weiter und kommt zu der Einschätzung, dass nicht einmal jeder 100. Statinverwender überhaupt Muskelschmerzen (Myalgie) entwickelt, vergleichbar mit Placebo.

Praktische Lösungen: Dosisreduzierung

Wenn Sie zu den wenigen Patientinnen und Patienten gehören, die durch die Einnahme von Statinen unter Nebenwirkungen, vor allem muskulärer Art, leiden, können Sie Ihren Arzt oder Apotheker bitten, die Statindosis zu reduzieren, oder ausprobieren, das Medikament nur an jedem zweiten Tag (statt täglich) einzunehmen. Nach Abklingen der Muskelschmerzen können Sie dann zur täglichen Einnahme zurückkehren. 

Ezetimib

Eine weitere Möglichkeit ist ein Medikament, das nicht zu den Statinen gehört, zum Beispiel Ezetimib, ein cholesterinsenkendes Molekül, das der Gruppe der Cholesterinhemmer angehört. Ezetimib verursacht keine muskulären Nebenwirkungen. 

Ausserdem gilt es bei Statinen, sehr genau auf Wechselwirkungen zu achten, da einige Nebenwirkungen auch auf das Wechselspiel mit bestimmten Blutdrucksenkern oder Fungiziden zurückzuführen sein können. Eine Beratung dazu, wie Sie diese Wechselwirkungen mindern können, erhalten Sie in Ihrer Apotheke.

Coenzym Q10 und Vitamin D

Auch wenn die Studienlage hier noch nicht eindeutig ist, könnte doch die Einnahme von Coenzym Q10 und Vitamin D dazu beitragen, muskuläre Nebenwirkungen durch Statine zu mindern.

Dehnübungen

Mit zunehmendem Alter kommt es häufig zu muskulären Problemen, die nicht immer im Zusammenhang mit der Einnahme von Statinen stehen, wie oben bereits ausgeführt wurde. Ein entsprechendes Dehnprogramm kann dem entgegenwirken. 

Bevor Sie also Ihre Therapie selbstständig abbrechen, halten Sie nach Möglichkeit Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker, um eine geeignete Lösung zu finden.

Dienstag, 4. Januar 2022. Von Xavier Gruffat (Apotheker). Quellen: Newsletter der Harvard Medical School vom Januar 2022, Newsletter Wellness der University of California, Berkeley von 2019 (Hinweis: Newsletter wurde mittlerweile eingestellt), die Studien mit der im Artikel genannten DOI-Nummer.

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